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Bis daß der Tod euch scheidet…
Wie in der Natur?
„Aber irgendwann muss jeder einen Menschen heiraten, der wie wir alle ziemliche Fehler hat. Und, wissen Sie, die Leute akzeptieren das, genau so, wie sie anfangen, nach einem Traumjob zu suchen – und irgendwann muss jeder einfach einen Job finden, und das wird wahrscheinlich nicht dieser Traumjob sein. Aber die Leute schließen ihren Frieden damit.“
Jeffrey Arnett, US-amerikanischer Psychologe, im Gespräch („Werden Sie erwachsen – aber nicht zu schnell!“) mit „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 10.5.´26, S. 15 u. 16, hier S. 16.
Im Kontext von Krieg oder Frieden
„Aber ein Recht des Stärkeren gibt es nicht. Was damit bezeichnet wird, ist nichts anderes als illegitime Machtausübung. Was dagegen tatsächlich existiert, ist das Recht auf Souveränität und territoriale Integrität. Dieses Recht ist in der UN-Charta 1945 kodifiziert und von allen Staaten anerkannt worden, die den Vereinten Nationen angehören. (…)
Immer mehr Politiker, Experten [?] und Journalisten sprechen von der ›Dysfunktionalität des Völkerrechts‹ und von ›Weltunordnung‹ und ›Anarchie‹ als ›neuer Normalität‹ internationaler Beziehungen. Was zuvor, besonders seit der Entspannungspolitik der 1970er Jahre und nach Ende des Kalten Krieges, als Fortschritt galt, wird rückblickend als naive Illusion diskreditiert. An dessen Stelle tritt die Behauptung, nun herrsche eben das Recht des Stärkeren. Dabei handelt es sich zunehmend eben nicht mehr um eine Diagnose, sondern um ein politisches Programm und eine Weltanschauung, die das Recht relativiert und militärische Macht zum zentralen Ordnungsprinzip erhebt. (…)
Nur unter Bedingungen funktionierenden Rechts lassen sich die grundlegenden Aufgaben von Politik – Sicherheit, Wohlfahrt und stabile institutionelle Ordnung – nachhaltig erfüllen. Recht ist die Voraussetzung für Sicherheit, für wirtschaftliche Entwicklung und für die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen friedlich auszubalancieren. Das gilt auch auf internationaler Ebene, selbst wenn dort kein zentrales Gewaltmonopol existiert.“
August Pradetto (Prof. em. für Politikwissenschaft an der Uni der Bundeswehr Hamburg), „Das ›Recht des Stärkeren‹“, „Blätter für deutsche und internationale Politik“, Nr. 5/´26, S. 63-70, Hier S. 63, 68 u. 70.
Analytisch mit Witz
„Ka-meh sagte: Wenn der Seidenwurm spänne, um sein Leben als Wurm zu fristen, so wäre er ein richtiger Lohnarbeiter.“
Bertolt Brecht, „Me-ti / Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er Jahre.
Ernst zu nehmen ist: „Bis daß der Tod euch scheidet“ ist eine übliche Kriegserfahrung. Diese soll nun als Selbstverständlichkeit in die Gedanken der Bevölkerung Eingang finden. Genauso soll die Welt genommen, akzeptiert werden, wie sie ist.
Jung und Flauseln im Kopf geht so bis 25, dann Ehe, Familie, irgendein Job – und Schluß. Welch ein Elend!
Aber der Mensch ist kein Wurm.
Frieden als Gewaltlosigkeit mit dem Primat des Allgemeinwohls, der Kooperation, der Verwirklichung der Menschenwürde, der Menschenrechte, der Überschreitung der Übel und jeglichen Raubbaus bleibt ein humanes Gebot der gesellschaftlichen bzw. persönlichen Entwicklung.
Deshalb ist die Abstinenz von Politik – gemeinsame gesellschaftliche Gestaltung nach höheren Zwecken – kein anstrebenswerter Zustand in Zeiten der prinzipiellen Entscheidung.
Diese Einrede reduziert die soziale, kulturelle und politische Existenz des Menschen auf die reine, aufreibende und verunsichernde Daseinsbewältigung.
Fern der Möglichkeiten sinnvoller und wirksamer solidarischer Lebensweise.
Dabei wird absichtsvoll ausgeblendet, daß friedenspolitisches, soziales, kulturelles und ökologisches Engagement schon längst Tatsache ist in allen Ländern der Welt.
Dieses Wirken über den Tag hinaus ist die adäquate Alternative zu einer reduzierten Existenz, wie sie suggeriert sein soll, damit die großen Geschäfte unbehelligt weiter fortgesetzt werden können.
Aber der Sinn des Lebens besteht nicht darin, lediglich ein Objekt von Gewinnkurven zu sein.
Vielmehr entspricht es dem Wesen des Menschen, seine Lebensbedingungen frei, gleich und solidarisch zu gestalten. Es gibt kein Ende der Geschichte. Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Ein nächstes Kapitel soll aufgeschlagen werden.
Die Akteure der Hochschulen sollten dabei ein vernehmbares Wörtchen mitreden. Die Bildung verantwortlicher mündiger Persönlichkeiten ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor.
Resignation und das simple Gang & Gäbe wirken dabei nur hinderlich.
Neu zu erkennen ist die positive Bedeutung gesellschaftlichen Engagements. Die Wirksamkeit wächst mit jedem gemeinsamen Schritt für diese schwer bestreitbare humane Tendenz. Wir haben die Wahl und sind dabei nicht allein. Darüber ist zu reden. Daraus entsteht neues Handeln. Der Alltag ändert sich zum Besseren. Die Welt ist anders zu schauen.