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Die Mitte ist rechts
Unser Kanzler
„SPIEGEL: Sie wirken ein bisschen unzufrieden mit Ihrem Volk, oder?
MERZ: Ich bin unzufrieden mit der Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Wie soll ich das ausdrücken, ohne dass es sofort wieder uminterpretiert wird? Wir leben seit mehr als 80 Jahren in Frieden, seit 36 Jahren sind Ost- und Westdeutsche wieder vereint. Jetzt erleben wir einen tiefen Umbruch. Keinen offen ausgebrochenen Krieg in der Mitte Europas, aber die Auswirkungen sind wahrscheinlich nicht minder groß. Darauf müssen wir uns einstellen, aber das ist noch nicht gelungen, weil viele ihren Besitzstand wahren wollen und sich gegen jede Veränderung wehren. (…)
SPIEGEL: Wie wollen Sie so kurz vor den Landtagswahlen die Wähler für Einschnitte erwärmen, gerade wenn es um den Sozialstaat geht? Sachsen-Anhalt beispielsweise hat unter den Bundesländern die älteste Bevölkerung.
MERZ: Indem man es gut erklärt und dem Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung entspricht.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im „SPIEGEL-Gespräch“ (Titel), „SPIEGEL“ Nr. 19/30.4.2026, S. 8-14, hier S. 23.
Nicht blöd
„Am Montagmorgen wurde ich aufgestört: Ein Jahr steigende Rüstungsausgaben weltweit. Auf 2,9 Billionen Dollar. 2,9 Prozent mehr, rechnet das Stockholmer Institut für Internationale Friedensforschung [SIPRI] aus. Deutschland überholt nun Großbritannien bei den Rüstungsausgaben, dank Sondervermögen. Lange Nase, wir sind auf Platz vier. Noch nie so viel investiert in militärische Sicherheit. Nicht bei uns. Was heißt: Werte vernichten. Kapital. Und am Ende auch Menschen. Die Zahlen wären eine Vorgabe für mathematische Textaufgaben in der Schule. Wäre ich Mathematiklehrerin, würde ich meine Schüler:innen ausrechnen lassen, wie viel Euro das sind und wie viel pro Kopf weltweit ins Militär fließen. Wie viel von unserem Inlandsprodukt weltweit. Und was wir uns hierzulande leisten könnten: in der Schule, in den Kitas, also für Kinder, und für die Älteren, die versorgt werden müssen. Aber dann müssten meine Schüler:innen überhaupt eine Vorstellung davon haben, was Billionen von Dollar oder Euro sind. Ehrlich, ich kann mir auch nicht richtig vorstellen, wie viel das ist, wie man das in Lebensqualität quantifiziert. Obwohl ich im Gesundheitsbereich viel damit befasst bin.“
Ulrike Baureithel, „Diese Jungen sind nicht blöd – sie wollen sich nicht verheizen lassen“ (zur verständlichen Kriegsdienstverweigerung), „der Freitag“, Nr. 18/30.4.2026, S. 1.
Eine Lehre
„Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! hat einer gesagt.
Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!
Und Friede auf Erden.“
Kurt Tucholsky, „Krieg dem Kriege“, 1919.
Zur Geschichte: Nach 1918, dem Ende des Ersten Weltkrieges, war eindeutig klar: Der Krieg sollte nicht mehr sein.
Über seine Abwesenheit hinaus standen die unwiderrufliche engagierte Herstellung von tatsächlicher Demokratie und die Überwindung sozialer Ungleichheit sowie friedliche internationale Beziehungen auf der Tagesordnung.
Diese Ziele und Zwecke wurden nur halbherzig verwirklicht, das brutale Kontra der Eliten führte in die Diktatur und den Zweiten Weltkrieg.
Nach der Befreiung von diesen Menschheitsübeln durch die Anti-Hitler-Koalition (USA, UdSSR, Großbritannien) galt vielfach das Bemühen, ein „Nie wieder!“ zu verwirklichen.
Trotz der harten Systemkontroverse gelang es, mittels UNO-Charta, politischen und sozialen Menschenrechtserklärungen und teilweise Abrüstungsverhandlungen und -verträgen, weitgehend eine diffizile Balance in den gefährlichen Konflikten zu realisieren.
Nach dem Zerfall der sozialistischen Staaten stiegen erneut die Kriegshandlungen und die Aufrüstung. George Bush sen. rief die „neue Weltordnung“ aus.
Aktuell wird in neuem Ausmaß die Militarisierung der meisten Länder betrieben.
Hier ist ein konsequentes Halt! vonnöten. Die allumfassende zivile Entwicklung der menschlichen Gesellschaft hat den unbedingten Vorrang verdient.
Die grundlegend praktische Verwirklichung der Menschenrechte, der basalen Menschenwürde, ein reproduktives Mensch-Natur-Verhältnis, die Beseitigung von Elend, Hunger und Erniedrigungen aller Art bzw. eine humane Kultur, soziale Sicherheit, eine dynamische Demokratie sowie die verantwortungsvolle Bildung von solidarischen Persönlichkeiten, die für den gesellschaftlichen Alltag bestimmend sind, rufen nach erneuter Realisierung wider den herrschenden Unsinn.
Die Hochschulen, die Wissenschaften, all ihre Akteure, können sich dabei besten Gewissens auf das Wesen eines aufgeklärten Menschenbildes respektive eines humanen Bildungsauftrages berufen und beides initiativ in die gesellschaftliche Diskussion einbringen.
Wir brauchen dabei nicht darauf zu achten, ob Herr Blackrock (Merz) uns vermeintlich gut den Verzicht erklärt, uns an der Nase herumführen will und dabei noch den braunen Haufen (AfD) wachsen läßt. Gerechtigkeit sieht wahrlich anders aus. Die Alternative ist dringend erforderlich. Mit Herz und Verstand haben wir es in der Hand. Mit der großen Vielzahl für die große Vielzahl. Alle Einzelnen zählen. So wächst die Lebensqualität. Darauf kommt es schließlich an.
Und somit: Friede auf Erden.