HomePublikationen › Flugblatt von Liste LINKS, junge sozialist:innen & fachschaftsaktive und SDS* vom

Nochmals: Frieden!

Denn der Krieg hat einen hohen Preis

Universeller Schaden
„DIE GANZE WELT ZAHLT
(…) Es galt der Asymmetrie psychologisch gewachsen zu sein – und das auf allen Seiten. Wie bedient der Iran-Krieg dieses Tableau? Unter anderem durch Innovation. Selten zuvor erwies sich bei einer asymmetrischen Konfrontation die globale Komponente als derart wirkmächtig. Seit dem 27. Februar 2026 versucht eine angegriffene, staatlich organisierte Macht ihre Unterlegenheit zu kompensieren, indem Gegenwehr mobilisiert wird, bei der weniger Waffen als Wirkung zählen. Attackiert werden mit den US-Basen in mehreren Golfstaaten nicht allein militärische Standorte. Angegriffen wird das Vermögen der Amerikaner zur unangefochtenen Kriegsführung. Weniger, weil die US-Armee schweren Schaden nimmt, sondern weil deren Gastländer schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Die nicht durch iranische Marineeinheiten, sondern latente Angriffsgefahr blockierte Straße von Hormus erhärtet diesen Eindruck. Geht es um Welthandel und Weltwirtschaft, verschafft sich die globale Dimension der Asymmetrie erst recht Geltung. Die Iraner haben es geschafft, der ganzen Welt vor Augen zu halten, dass sie einen gehörigen Preis für die Aggression der USA und Israels zu zahlen hat. Der liegt deutlich über dem, was an vergleichbaren Sekundärschäden nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine auftrat. Durch die Straße von Hormus wurden im Vorjahr 31 Prozent des weltweit verschifften Rohöls transportiert.“

Lutz Herden, „Der Fronten gibt es viele“, „der Freitag“, Nr. 12/19.3.2026, S. 8.

Immerhin
„Trump sitzt in der Patsche. Er hat keinen Plan, wie er diesen Krieg beenden soll. Seine Basis rebelliert, der Nahe Osten gleitet ins Chaos ab, der Weltwirtschaft droht eine Rezession. Da fällt dem Präsidenten ein, dass es ja noch die Nato gibt. In erpresserischer Art fordert er Hilfe von den Partnern, sonst drohe der Nato eine ›sehr schlechte Zukunft‹. Aber die Nato ist nicht dazu da, Trumps Scherbenhaufen zusammenzukehren. Und die Bundeswehr ist nicht seine Putztruppe.“
Marina Kormbaki, „Die Bundeswehr ist nicht Trumps Putztruppe“, „SPIEGEL“ Nr. 13/20.3.2026, S. 6 (Leitartikel).

Darüber hinaus
„Und deshalb halte ich es für den schwersten Fehler, den unsereiner begehen kann, wenn er den andern immer wieder den Gefallen tut, auf ihre vaterländischen Bibelverse hereinzufallen und entschuldigend zu rufen: ›Nein ich bin kein Vaterlandsfeind! Ich bin ein Pazifist, nur ein Pazifist! Nein so böse bin ich gar nicht, wie du mich hinmalst! Ich bin staatsfromm – auch ich!‹ – Es nützt nicht einmal etwas. Diesen Leuten ist nur beizukommen, wenn sie den Gegner spüren, den militanten Pazifisten, den kämpfenden Friedensfreund. Ob die das ›Landesverrat‹ nennen, was wir tun, ob sie uns beschuldigen, Antideutsche zu sein, Vaterlandsverräter und Staatsfeinde: das ist alles völlig unerheblich. Wir haben sie nicht gefragt.“
Kurt Tucholsky, „Über den sogenannten ›Landesverrat‹“, 1926.

Mit wachsendem Widerspruch und tiefgreifendem Widerstand sei konstatiert: Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran erreicht mit hoher Geschwindigkeit globale Dimension.

Das Kriegsgebiet wird ausgeweitet, die Zerstörung nimmt zu, die zivilen Opfer mehren sich, die Energiepreise steigen enorm, die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise steigt – ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht, Kriegsziele zur Beendigung des militärischen Handelns sind seitens der verantwortlichen Regierungen nicht vorhanden.

Dieses Desaster ruft die Weltgemeinschaft auf den Plan und zur Tat.

Konsequenter Pazifismus und die Verwirklichung der Menschenwürde sollten dabei die Kategorien entgegengesetzen Handelns sein. Die normativen Kategorien des Grundgesetzes sowie der UNO-Charta – Gewaltverbot, Friedensfinalität, Menschenwürde, Entwicklung der Persönlichkeit und soziale Demokratie in globaler und persönlicher Dimension – sollten in diesem kontroversen Kontext die kulturelle Leitlinie des Denkens, Handelns und Wirkens sein. In unausgesetzter Konsequenz. Frieden als zivile Entwicklung hat somit eine neue, aktuelle und erweiterte Bedeutung erhalten. Diese humane Tendenz gehört ganz oben auf die gesellschaftliche Tagesordnung. Die Verwirklichung einer wirklich menschlichen Gesellschaft geht so gut wie Alle etwas an: als Person, in Parteien, Gewerkschaften, in der Interessenvertretung, am Arbeitsplatz, in sozialen Bewegungen sowie in der kritischen Wahrnehmung und Gestaltung des Alltags. Mithin ebenso in Bildung, Kunst, Kultur, Wissenschaften und im Gesundheitsbereich. Generell: Heilung oder Zerstörung!

Die Positionierung auf der richtigen Seite ist von weitreichender Bedeutung. Diese Relevanz beginnt schon bei der rational engagierten Kultivierung von vielerlei Kontroversen, die uns immer wieder begegnen. Mit Geschichtsbewußtsein, argumentativer Nachdrücklickeit, dem Sinn für das Notwendige und Mögliche sowie dem entsprechenden Zusammenwirken, das an der Haustür und an der Landesgrenze nicht halt macht.

Die Wissenschaften und ihre Akteure sollten sich in neuer Klarheit in diese Tendenz gesellen. Darin besteht die eigentliche „Exzellenz“ von Wahrheitsfindung, Aufklärung und gesellschaftlicher Initiative.

Auf diese Weise bekommen die Zivilklauseln Schwung, geneigte Aufmerksamkeit und bewegende Wirkung. So bestimmt: Vernunft ist das Einzige, was zählt!