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Mangelt es an Patriotismus?

Eine Klarstellung

Ein Gebiet der „Stämme“?
„Was freilich alle Volksgruppen oder ›Stämme‹, wie es noch in der Präambel der Weimarer Reichsverfassung hieß (›Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen...‹), verband, war die Zugehörigkeit zu Deutschland. Und mit dieser Zugehörigkeit ist eben auch klar: Alle teilen dieselben übergreifenden Werte und Grundsätze. (…) Deutschland ist, vor allem seit 2015, Zufluchtsort für zahlreiche Kriegsopfer und Verfolgte wie auch für Migration aus anderen Gründen wie der Suche nach einem besseren Leben gewesen, das man prinzipiell niemandem verwehren will, das aber nicht von jedem in Deutschland gelebt werden kann. Diese Migranten im weiteren Sinn kamen oft aus völlig anderen Kulturkreisen, auch mit übrigens anderen Vorstellungen von Toleranz, Homosexualität und der Rolle der Frau, brachten Traumata von Krieg und Verfolgung sowie weitere Angehörige mit.“
Reinhard Müller, „Es fehlt nicht Vielfalt, sondern Patriotismus“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 27.5.2026, S. 1 (Leitkommentar).

Zur Erinnerung und Anwendung
„I. Die Grundrechte
Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden die Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltend.“

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, beschlossen am 23. Mai 1949.

Mit Heine festlich bestimmt
„Es wird freilich noch einige Zeit dauern, bis dieses Fest gefeiert werden kann, bis die Emanzipation durchgesetzt sein wird; aber sie wird doch endlich kommen, diese Zeit, wir werden, versöhnt und allgleich, um denselben Tisch sitzen; wir sind dann vereinigt und kämpfen vereinigt gegen andere Weltübel, vielleicht am Ende gar gegen den Tod – dessen ernstes Gleichheitssystem uns wenigstens nicht so sehr beleidigt wie die lachende Ungleichheitslehre des Aristokratismus.“
Heinrich Heine, „Reise von München nach Genua“, 1828.

Was Migrantinnen und Migranten alles so mitbringen: Andere Vorstellungen von Toleranz, Homosexualität und der Rolle der Frau (als die AfD oder auch der Autoren in der „FAZ“?) sowie auch noch Traumata von Krieg und Gewalt und Angehörige. Wie ungehörig!

Diese Angehörigen fremder Stämme haben sich, so sie denn angekommen und angenommen, gefälligst ordentlich zu benehmen und dann klaglos ihre meist niedere Arbeit zu tun.

So definiert die „Zeitung für Deutschland“ „Patriotismus“ – der ja ebenso für hiesige Staatsbürgerinnen und -bürger gelten soll – als soziale Ungleichheit dominanter gesellschaftlicher Strukturen bzw. prinzipiell verschiedener Wertigkeit der Menschen.

Das ist mit dem Grundgesetz, den Menschenrechten und einer historisch bewußten Ethik schlicht nicht vereinbar.

Die Menschenwürde ist eine humane Grundnorm, die stets zu verwirklichen ist, im Widerspruch zwischen Norm und Wirklichkeit. Gleichfalls im Widerspruch von Behauptung und Tatsache.

Die Kriege, die Rüstungsexporte, der Raubbau an der Natur sowie im Zweifel die Unterstützung autoritärer Regimes gehen von hier (den kapitalistischen Großländern) aus. Dadurch sind die wesentlichen Fluchtursachen bestimmt. Es mangelt also nicht an „Patriotismus“, sondern an Frieden, konsequenter sozialer Gerechtigkeit, einem rationalen Verhältnis zur Natur, der Beförderung demokratischer Praxis und Strukturen sowie an internationaler Kooperation zu diesen höheren Zwecken. Darin besteht der tiefere praktische Sinn der UNO-Charta, der Menschenrechte, gelungener Abrüstungsverträge bzw. dem entsprechenden Engagement auf allen Ebenen.

Was dabei kaum in Frage kommt oder zu gebrauchen ist, ist beispielsweise eine „patriotische Universität“!

Das Prinzip „Der Forschung Der Lehre Der Bildung“ steht der „Kriegstüchtigkeit“ in jeder Form fern.

Befehl und Gehorsam eignen sich nicht als pädagogisches und didaktisches Prinzip. Die prinzipielle (biologisierte) Ungleichheit der Menschen entspricht nicht dem Forschungsstand. Die Zerstörung der Natur ist nicht Arbeitsauftrag der Naturwissenschaften. Bildende Kunst und Literatur sind keine teutonischen Märchen. Die menschliche Welt in ihrem Ausmaß kann kaum vernünftig als Kolonialreich betrachtet werden. Dagegen ist die Menschenwürde ein substantieller Auftrag.

Nach wie vor gilt: Die menschliche Gemeinschaft ist menschlich zu gestalten.