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Die Kosten des Krieges
Kritisches vom Internationalen Währungsfonds (IWF)
„Kriege sind in erster Linie mit menschlichem Leid verbunden, aber sie haben auch eine wirtschaftliche Bedeutung, die weit über das unmittelbare Kriegsgebiet hinausreichen kann. So belastet der Irankrieg über seinen Einfluss auf die Preise und Lieferungen wichtiger Rohstoffe die gesamte Weltwirtschaft.
Auch der Ukrainekrieg belastete anfangs die globalen Energie- und Rohstoffmärkte und er bot ebenso wie jetzt der Irankrieg Anreize für die Umleitung von Lieferketten und die Diversifizierung von Energieund Rohstoffeinfuhren. Die Preissteigerungen stellen die Zentralbanken vor die Frage, ob dauerhafte Steigerungen des gesamten Preisniveaus drohen, die höhere Leitzinsen erfordern würden. (…)
Einschränkend warnt der Währungsfonds: ›Insgesamt dürften die Gesamtauswirkungen einer Aufstockung der Verteidigungsausgaben auf die Wirtschaftsleistung eher gering sein. Steigende Verteidigungsausgaben schlagen sich in der Regel fast eins zu eins in einer höheren Wirtschaftsleistung nieder, anstatt einen größeren Multiplikatoreffekt auf die Konjunktur zu haben.‹ (…)
Die wirtschaftliche Leistung von Ländern nach dem Ende des Krieges verläuft häufig sehr langsam. ›Wenn der Frieden Bestand hat, erholt sich die Wirtschaftsleistung, bleibt aber im Vergleich zu den Kriegsverlusten oft auf einem bescheidenen Niveau‹, hat der Währungsfonds beobachtet.“
Gerald Braunberger, „Die Kosten der Kriege“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 26.4.2026, S. 18.
Klassische Kritik
„Eins ist sicher: der [erste] Weltkrieg ist eine Weltwende. Es ist ein törichter Wahn, sich die Dinge so vorzustellen, daß wir den Krieg nur zu überdauern brauchen, wie der Hase unter dem Strauch das Ende des Gewitters abwartet, um nachher munter wieder in alten Trott zu verfallen. Der Weltkrieg hat die Bedingungen unseres Kampfes verändert und uns selbst am meisten. Nicht als ob die Grundgesetze der kapitalistischen Entwicklung, der Krieg zwischen Kapital und Arbeit auf Tod und Leben eine Abweichung oder eine Milderung erfahren sollten.“
Rosa Luxemburg, „Juniusbroschüre“, 1916.
Aktuelles Lob
„Aktuelle Krisen könnten sich noch weiter auswachsen. ›Langfristig ist in Europa selbst eine Entwicklung wie im Libanon eine Möglichkeit‹, sagt die Historikerin [Marion Detjen]. Der Kontinent könnte in Gefahr geraten, ›zerrieben zu werden zwischen imperialen Ansprüchen‹. Sie sei deshalb keine Anhängerin von Fortschrittsnarrativen. Anders als Rosa Luxemburg, so ist zu vermuten. Marion Detjen bewundert sie dennoch als große historische Figur. ›So eine tolle Frau haben wir nicht noch einmal hervorgebracht‹, sagt sie, darin einig mit Hannah Arendt, die Luxemburg als verkannte Größe des Jahrhunderts würdigte. Sie sei weder die blutrünstige ›Rote Rosa‹ gewesen noch die sentimentale Vogelfreundin, zu der ihre Verteidiger sie häufig gemacht hätten.“
Ullrich Fichtner, „Wo sich die Linke spaltete, für immer“ [?], „SPIEGEL“ Nr. 17a/21.4.2026, S. 35.
Nun ist es amtlich: Selbst der Internationale Währungsfonds (IWF), nicht als sozialistische Einrichtung bekannt, bestreitet bemerkenswert den Sinn des Krieges. Er, der IWF, stellt sogar den Zusammenhang zwischen dem Ausbau von militärischen Kapazitäten und dem Fehlen von Kapazitäten für den Ausbau von Sozialleistungen her.
Also: Bomben statt Butter.
Dieser unmittelbare Zusammenhang hat negative Folgen auf der ganzen Welt. Er trifft umso mehr, je weniger ein Land wirtschaftlich und sozial entwickelt ist. Ungleichheiten werden vergrößert.
Die menschlichen bzw. gesellschaftlichen Ressourcen – finanziell, geistig, politisch, kulturell – werden brutal verschwendet und sind auf diese Weise deformiert. Sie stehen nicht mehr für die zivilen Entwicklungsaufgaben zur Verfügung. Der Frieden ist deshalb ein globales Muß! Die dringende Überwindung von Hunger und Elend, die Beendigung des Naturraubbaus, das Erringen demokratischer Strukturen, die soziale Gestaltung des Gemeinwesens, die internationale Kooperation zu diesen Zwecken sowie die kultivierte Bildung des Alltagslebens sollten unbedingt Vorrang erhalten vor Krieg, Militarismus, Befehl und Gehorsam sowie einem martialischen Menschenbild. Nicht der Krieg ist „der Vater aller Dinge“, sondern das begründete, aussichtsreiche und sinnvolle Wirken für das Allgemeinwohl sowie die praktische universelle Realisierung der Menschenwürde.
Diese fundamentalen Anliegen sind nicht zuletzt in den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO (Sustainable Development Goals/SDG´s) artikuliert.
Zusammengenommen mit der UNO-Charta und den (politischen und sozialen) Menschenrechten bilden sie die prinzipielle Leitlinie zur Verwirklichung einer humanen (Welt-)Gesellschaft.
Als ethische, soziale und politische Normen speisen sie sich aus den negativen Erfahrungen zweier Weltkriege bzw. andererseits aus den grundlegenden Anliegen der allseitigen Humanisierung des gesamten gesellschaftlichen Lebens.
Ein solcher Auftrag gilt ebenso der Bildung, den Wissenschaften, der Kunst und der Kultur. Die sogenannten weichen Faktoren sind im besten Fall ein profunder Beweger für die Minderung der Mühsal respektive für die Verbesserung der menschlichen Existenz. Die Annahme dieses Auftrags setzt garantiert neue Energien frei. Sie sollten gleichfalls für die Vitalisierung der Zivilklauseln gelten. Ein „Denksport“ der besseren Sorte.
Mitmachen lohnt sich.