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Was soll das Ganze?
Genau zu bedenken
„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln".
Carl von Clausewitz (1780-1831), preußischer General und Militärhistoriker, aus seinem Hauptwerk „Vom Kriege“ (postum 1832 veröffentlicht). Wesen der Aussage ist, daß der Krieg kein isoliertes Phänomen ist, sondern ein machtpolitisches Instrument, um Ziele zu erreichen, die mit friedlichen Mitteln nicht durchsetzbar waren.
Tiefgreifende Zweifel
„Wie der Nahe und Mittlere Osten am Ende aussehen werden, zeichnet sich noch nicht genau ab. Nur eines scheint klar: Israel wird eine größere Rolle spielen. Die relative militärische Überlegenheit des Landes besteht nicht erst seit dem 7. Oktober. Aber erst nach dem verheerenden Terrorangriff der Hamas hat die Regierung Netanjahu beschlossen, sie ohne Rücksicht auf Kritik einzusetzen. Offen ist aber, ob Israel auch politisch Initiativen ergreifen wird – ob Kampfkraft und Diplomatie verbunden werden, um den Frieden zu erreichen, den das Land nach eigener Aussage will. (…)
Israels neue Selbtsermächtigung wirft aber auch Fragen auf. Zum einen ist da die Aggressivität, von der sie begleitet wird. Feinde werden unterschiedslos als Nazis bezeichnet, sei es die Hamas oder die UN-Hilfsorganisation UNRWA. Es gibt ein Schwarz-Weiß-Denken mit religiösen Obertönen. Netanjahu etwa beschwört das Bild zwischen Zivilisation und Barbarei. ›Wir sind Kinder des Lichts, sie sind Kinder der Dunkelheit.‹, sagte er kurz nach dem 7. Oktober. Diese Einstellung bringt bizarre Musikvideos mit Adlerlöwen hervor. Aber [?] sie kann auch zur Entmenschlichung des Gegners führen. Als sein Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe für palästinensische Terroristen Ende 2025 die erste Lesung passierte, verteilte der rechtsradikale Polizeiminister Itamar Ben-Gvir in der Knesset Süßigkeiten.“
Christian Meier, „Das Ende der Diplomatie“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 8.3.2026, S. 1.
Auch großer kultureller Schaden
„Der Krieg im Nahen Osten bedroht nicht zuletzt Kulturstätten von unschätzbarem Wert. Die Sorge vor irreparablen Schäden wächst - auch bei der Unesco. So hat sie jüngst an alle Parteien appelliert. Die Weltkulturerbestätten des Nahen Ostens gehören zu den bedeutendsten kulturellen Schätzen der Menschheit. Paläste, historische Altstädte, religiöse Monumente und archäologische Stätten erzählen von Jahrtausenden menschlicher Geschichte. Doch genau diese Orte geraten in Zeiten militärischer Eskalation immer wieder ins Visier oder werden zumindest indirekt beschädigt. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, Unesco, hat deshalb erneut Alarm geschlagen: Angesichts zunehmender Gewalt in Teilen des Nahen Ostens wächst die Sorge um den Schutz von Kulturerbestätten. (…)
Die Unesco beobachtet die Situation derzeit genau und steht in Kontakt mit den beteiligten Parteien. Ein wichtiger Schritt besteht darin, militärischen Akteuren die exakten geografischen Koordinaten von Welterbestätten und anderen kulturell bedeutenden Orten mitzuteilen. Ziel ist es, versehentliche Angriffe zu verhindern und die Orte aus militärischen Operationen herauszuhalten. Zugleich erinnert die Organisation daran, dass kulturelle Güter auch in Kriegszeiten unter internationalem Schutz stehen. Grundlage dafür ist insbesondere die Haager Konvention von 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten sowie die Welterbekonvention von 1972.“
„Iran / Unesco wegen Situation im Nahen Osten in Sorge“, „Stuttgarter Nachrichten“, 9.3.2026.
Zivilisation oder Barbarei? Seit wann, wo und wie läßt sich die Zivilisation herbeibomben? Mit der Zerstörung nicht nur von Palästen, sondern auch von Wohngebäuden, Schulen, Versorgungseinheiten und Verkehrswegen? Mit der Ermordung von Schülerinnen und weiteren unschuldigen Menschen? Somit kommen auch aus der UNO, von Völkerrechtlern und ohnehin aus der Friedensbewegung besorgte und grundkritische Stellungnahmen.
Welche Ziele werden mit diesem Zerstörungswerk verfolgt? Das Herbeiführen so sozial und kulturell extrem unangenehmer Regierungsformen wie zur Zeit in den USA und Israel? Beide ganz gewiß nicht auf der Höhe der menschlichen Zivilisation.
In der spannungsreichen Region geht es nach wie vor um Macht: Macht für Öl, andere Bodenschätze, ökonomisch relevante Verkehrswege und handzahme Regimes.
Frieden, die Beendigung von Kriegen, zivile Konfliktregulierung, Abrüstung und sozial kultivierte Beziehungen sind so nicht zu erreichen.
Für aber menschenwürdige internationale Beziehungen und Bedingungen – das gilt nicht zuletzt auch für die von außen unbedrängte demokratische Opposition gegen autoritäre Regimes – sind die UNO-Charta, die sozialen und politischen Menschenrechte, das Selbstbestimmungsrecht der Völker nach wie vor allgemeingültige Maßstäbe und Orientierung sinnvollen und vernünftigen Handelns.
Ulf Poschardt, heroischer Autor für die real - konservative Zeitung „Die Welt“ wirft Alice Weidel (AfD), Anna-Lena Baerbock (Grüne) und Heidi Reichinnek (Die LINKE) in seinen dampfenden Zaubertopf, wenn er ihnen, bei (sehr unterschiedlich gemeinter!) Berufung auf das Völkerrecht, gleichermaßen weibisches Verhalten vorwirft.
Weibisch? Menschlich! Unhintergehbare Schlußfolgerungen aus Diktatur und zwei Weltkriegen! Unzweifelhaft auch Entspannungspolitik, Abrüstungsverhandlungen, partielle friedliche Koexistenz sowie aktuell die 17 Nachhaltigkeitsziele („Sustainable Development Goals / SDG´s“) der UNO zur Beseitigung von Gewalt, Elend und Hunger auf der Welt.
Die Uni hat sich diesen höheren Zielen und Zwecken zugeordnet. Bildung und Wissenschaften sind keine Bombensache oder ein verquast gestriger Heroismus. Menschlich sind Wahrheitsfindung, Aufklärung und die entsprechende gesellschaftliche Intervention zur Realisierung des Allgemeinwohls. Ohne Befehl und Gehorsam und ohne Wenn und Aber. Kultivierte Vermenschlichung. Wissen in der Tat.