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Ein falscher Rückgriff
Heiteres Sterben?
„Der Begriff [„Fröhlicher Veteranentag“] verstört. Veteranen, das waren in Deutschland lange ehemalige Angehörige der Wehrmacht, die Ewiggestrigen bei ihren Stammtischen. Anders als in Amerika oder in den benachbarten Niederlanden bestand bei uns kein Zusammenhang zwischen der Bundeswehr und einer Veteranenkultur. (…) Noch ist das Interesse verhalten. Von einem geselligen nationalen Feiertag, wie er etwa in den Niederlanden begangen wird, kann keine Rede sein. (…) Aber ein Anfang ist gemacht, und wenn alle am Wochenende den Veteranen einmal Danke sagen oder es auch nur denken würden, wäre schon etwas erreicht.“
Peter Carstens, „Fröhlicher Veteranentag“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 15.6.´25, S. 10.
Bittere Erfahrung
„Als der Krieg aus war, kam der Soldat nach Haus. Aber er hatte kein Brot. Da sah er einen, der hatte Brot. Den schlug er tot.
Du darfst doch keinen totschlagen, sagte der Richter.
Warum nicht, fragte der Soldat.“
Wolfgang Borchert, „Lesebuchgeschichten“, 1947.
Leben lohnt sich
Es ist erst gut einen Monat her, dass man sich der Knochenberge erinnerte, die ein unbändiges Wüten der Geschichte vor 80 Jahren hinterlassen hatte. Das verwüstete Deutschland hatte verwüsteter Hirne bedurft, um in einen Zustand versetzt zu werden, in dem es sich im Mai 1945 darbot, von Europa ganz zu schweigen. Das Wissen um die erbarmungswürdige Zerstörbarkeit des Menschen im Krieg ließ dem Entsetzen freien Lauf. Das Erschrecken darüber, wie übergriffig Geschichte sein konnte, wie wenig sie sich scherte um eine alles andere als unerschöpfliche Leidensfähigkeit, hinterließ Wirkung. Es erschien ratsam, den Mantel der Geschichte nicht erneut knatternd rauschen zu lassen, sich stattdessen der Gewissheit anzuvertrauen, wie geschlagen man unter ihm hervorkriechen konnte. Bundesdeutscher Außenpolitik verhalf das – nicht durchgehend, aber erkennbar – zum Gebot ziviler Zurückhaltung, um anzuzeigen, sich historischer Schuld bewusst zu sein. Als hätte man Thomas Mann erhört, der 1945 in einer seiner letzten BBC-Ansprachen den deutschen Hörern zu bedenken empfahl, >dass die Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit ist.<“
Lutz Herden, „Knochenberge in Sicht“, „der Freitag“ Nr. 24/12.6.´25, S. 1.
Wahrlich von allen guten Geistern verlassen: „Bundesverteidigungsminister“ Boris Pistorius (SPD!) posaunte vor einigen Tagen auf einem NATO-Treffen, die Bundeswehr müsse um 60.000 Menschen (Männlein, Weiblein) aufgestockt werden. Zu diesem rein militärischen Zweck favorisiert er die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Sie soll dem Kriegsdienst dienen, in Auslandseinsätzen. Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete sind der vermehrt angestrebten „Kriegstüchtigkeit“ inklusive. Da ist aus der Geschichte rein gar nicht gelernt! Und: Leben für´s Sterben macht keinen Sinn.
Negativ zu lernen ist hingegen aus Zwei Weltkriegen, den fatalen Auslandsmissionen der Bundeswehr seit den 1990er Jahren (Kambodscha, Somalia, Serbien und Afghanistan). Positiv zu lernen aus der Befreiung von Faschismus und Krieg (1945), der Bildung der UNO, dem eigentlichen Friedensgebot des Grundgesetzes, der Unermüdlichkeit der Friedensbewegung, den erreichten Abrüstungsverträgen (beispielsweise den 1980er Jahren), diesem Geschichtsbewußtsein und einem humanen Menschenbild, das auf das Wohlergehen der internationalen Gemeinschaft, der Beseitigung von Elend und Despotie sowie auf die tatsächliche Bewältigung der Klimakrise gerichtet ist. Dafür gibt es nur gute Gründe bzw. auch gesellschaftliches Engagement. Dafür stehen, sprechen und fordern gleichgestimmt die 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO (Sustainable Development Goals/SDGs).
Sie sind gleichfalls integraler Teil konstruktiver Maßstäbe der Hochschulentwicklung an der Hamburger Uni. Zudem ist die Zivilklausel neu zu vitalisieren. Die Einheit von Forschung, Lehre, Bildung erhält dadurch aktuelle Dynamik.
So verlieren Angstmacherei, falsche Antworten und verengende Mentalitäten ihre fatale Wirkung.
Die Hochschulen in ihrer gesellschaftlichen Wirkungsweise können somit Orte und Organismen gesellschaftlicher Friedensinitiative sein. Das ist sinnvoll, angemessen und menschlich. Ohne Zurückhaltung.