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Gewaltfreie Entwicklung!
Ernst zu nehmen
„Seit Jahren ist in der Gesellschaft die Frage virulent, ob das Verhalten in privaten, öffentlichen und institutionellen Räumen zunehmend verroht. Eine große Mehrheit der Bevölkerung sieht das so. In einer Allensbach-Umfrage von 2022 diagnostizieren 82 Prozent eine negative Entwicklung zu mehr Egoismus und gesteigerter Aggressivität, auch bedingt durch die Corona-Pandemie. Politiker, Wirtschaftsführer und viele seriöse Medien malen ein andres Bild. Besonders ist der Rekurs auf Artikel 1 des Grundgesetzes: >Die Würde des Menschen ist unantastbar.< Dass die Verfassungswirklichkeit eine anderes ist, wird durch allerhand Anstrengungen zu übertünchen versucht. (…) Treffender als die beruhigende Sensibilitätsthese ist daher die – allerdings beunruhigende – Durchrohungsthese. (…) Deshalb ist der Blick auf das breites Handlungsspektrum von Demütigungen über Hass bis zu den verschiedenen Formen der Gewalt zur richten: die expressive Gewalt, durch die der Täter Einzigartigkeit und Dominanz demonstrieren will. Die instrumentelle Gewalt zur Durchsetzung materieller Interessen. Und die regressive Gewalt zur autoritären Veränderung der sozialen oder politischen Ordnung.“
Wilhelm Heitmeyer (Soziologe), „Die durchrohte Gesellschaft“, „SPIEGEL“ Nr. 28/4.7.´25, S. 50 u. 51.
Überzeugend
„Und Argumente haben die DFG-VK-Mitglieder (Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsgegner*innen) viele. Man sollte nicht für Deutschland kämpfen, sagen sie, weil es im Krieg um Macht und Ressourcen gehe – in der Ukraine etwa um Seltene Erden -, nicht um Freiheit und Demokratie. Weil alle Kriege mit Verhandlungen enden und man also gleich verhandeln könne, ohne Krieg. Weil der Krieg eine künstliche Trennung in unschuldige Opfer und Soldaten schaffe, dabei sei der siebzehnjährige Schüler doch nicht weniger unschuldig als der Achtzehnjährige in Uniform. Früher waren diese Argumente in linken Kreisen Konsens. Heute erheben [manche ehemalige] Linke dann keinen Einspruch, wenn der Verteidigungsminister dem Land >Kriegstüchtigkeit< verordnet, wenn gewaltige Summen für Verteidigung [?] ausgegeben werden oder wenn Politiker ein europäisches Atomwaffenarsenal fordern und einen Raketenschutzschild für Deutschland nach israelischem Vorbild.“
Leonie Feuerbach, „Im kalten Frieden“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 6.7.´25, S. 5.
Mit pazifistischem Inhalt
„Man muß vielmehr vom Kampf für eine neue Kultur sprechen, das heißt für eine neue Lebensmoral, die so eng mit einer neuen Lebensauffassung verbunden sein muß, daß diese schließlich dazu führt, die Realität auf neue Weise zu empfinden und zu sehen, so daß sie zu einer ganz eng mit den >potentiellen Künstlern< [auch WissenschaftlerInnen] und den >potentiellen Kunstwerken> [Erkenntnissen aller Art] verwachsenen Welt wird.“
Antonio Gramsci, „Gefängnishefte“, „Kunst und Kultur“, Heft 23, 1934 (!).
Tiefer beleuchtet: Die Verrohung selbst ist, im Inneren und nach Außen,- wenn auch nicht alternativlos – strukturell bedingt: politische Kapitalbegünstigung, wachsende soziale Ungleichheit, der Aufwuchs rechter Kräfte, die Minderung notwendiger öffentlicher Aufgaben; Konflikteskalationen, Kriege, Aufrüstung und Rüstungsexporte sind klare Kennzeichen der fortgesetzten, mißlichen gesellschaftlichen Entwicklung.
Darauf soll mit mehr „Eigenverantwortung“, „Selbstoptimierung“, Konkurrenz, Geschichtsvergessenheit, Herabminderung anderer Menschen sowie auch einer unsozialen Ungleichheit geantwortet werden.
Das kommt nicht nur gut an. Das beweisen nicht nur entsprechende Umfragen – sogar konservativer Provenienz (s.o.) -, sondern auch nicht irritierbare Erkenntnisse, Begründungen und Aktivitäten. Die tiefsitzende Skepsis gegenüber der Unmenschlichkeit ist nicht totzukriegen. Auch die jeweils berechtigte Empörung gegenüber den ethischen Entgleisungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sind ein verlässlicher Gradmesser für die konfliktfähige Humanität in einer veränderungswürdigen und verworrenen Gesellschaft.
Das zeigen nicht nur die DFG/VK, die Naturwissenschftler*innen für den Frieden und die IPPNW (Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V.), sondern auch die Friedensaktivitäten der Friedensbewegung auf der ganzen Welt.
Heroismus, Gewalt, Elend und Ungleichheit sowie die rabiate Umweltzerstörung haben keine menschenwürdige Perspektive. Die Menschenwürde ist (brutal) anfaßbar. Sie soll es nicht sein. Das ist und bleibt ein allgemeines Gebot bzw. eine Aufgabe, die von Vielen für Vieles zu realisieren ist.
Dabei ist es nicht „süß und ehrenvoll“ für das „Vaterland“ zu sterben.
Vielmehr ist es sinnvoll, nützlich, solidarisch und wirksam, für wahrhaft menschliche Bedingungen und Möglichkeiten – sozial, zivil und demokratisch – gemeinsam zu kämpfen.
Das gilt für alle gesellschaftlichen Bereiche mit jeweils besonderer Verantwortung für die erneute Realisierung des Allgemeinwohls.
Für die Hochschulen, ihre Mitglieder, kommt die aufgeklärte Aufgabe zu, Analysen, Gründe, Forderungen und Beweise für die qualifizierte Gestaltung einer besseren Welt zu erbringen.
In Wahrheit ist die produktive Kooperation das Wesen aller menschlichen Dinge. Darin besteht die existenzielle „Exzellenz“ allen rationalen Wirkens. Gegen jedes Gebrüll. Leiser und verständlicher ist besser. Das Gehör leitet an den Verstand weiter. Daraus entstehen Handlungen der besseren Art.