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Ansprüche haben Wirkung

Wider die Verdummung

Mehr Interesse wagen!
„Als Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ins Spiel brachte, nannte Cristian Bäumler, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels der Union, seine Parteifreundin eine >Fehlbesetzung<.> Forderungen nach längerem Arbeiten werden nicht sinnvoller, je öfter man sie wiederholt<. Reiches Vorstoß sei nichts anderes als >eine Rentenkürzung durch die Hintertür<. Es war nicht das erste Mal, dass die Gewerkschaften der bald drei Monate im Amt befindlichen Regierung Einhalt geboten: (…) Die Antworten der Gewerkschaften zeigten ein widersprüchliches Bild: Die Investitionsinitiativen der Bundesregierung werden grundsätzlich begrüß – allerdings unter der Bedingung, dass sie auch sozialen Ausgleich und tariflich abgesicherte Beschäftigung stärken. In der Kritik an arbeitspolitischen Rückschritten – wie der geplanten Flexibilisierung der Arbeitszeit oder den Verschärfungen beim Bürgergeld – herrscht weitgehende Einigkeit. Doch die Kritik bleibt auffallend vorsichtig, besonders, wenn es um den übergeordneten Kurs der Regierung Merz geht. Nur vereinzelt werden grundlegende Gegennarrative zur rüstungs-, sicherheits- und marktfixierten Wirtschaftsordnung skizziert. Die strukturelle Priorisierung militärischer Aufrüstung wird meist nicht offen problematisiert, sondern allenfalls fiskalisch gerahmt – etwa mit Blick auf Schuldenbremse und Haushaltsengpässe.“
Jörn Boewe, „Hört ihr die Signale?“, „der Freitag“, Nr. 31/31.7.´25, S. 15.

Satirisches Kontra
„Eichhörnchen national
Ich mache einen deutschen Spaziergang durch unsern deutschen Wald. Meine deutschen Augen mustern die herrliche deutsche Landschaft und versinken in ihrem Zauber: von dieser Schneise her könnte man ganz gut einen Sturmangriff unternehmen, die Wiese gäbe ein famoses Schußfeld für ein gedecktes M.G. – und da! Was ist das? Der Feind. Unwillkürlich nehme ich Deckung. Es ist ein Eichhörnchen, ein deutsches Eichhörnchen. Blond wie Goebbels, läßt es spielend seinen Schweif wedeln. Doch was ist dieses? Es läuft nicht davon! Ein Deutscher läuft nicht davon. Es eilt vielmehr auf mich zu, das liebe Tierchen, beschnuppert mich, und jetzt, jetzt klettert es wahrhaftig wie ein Eichhörnchen an mir hoch. Es sieht mich an mit seinen blanken Äuglein, als wollte es sagen: »Hältst nicht auch du den Schandvertrag von Versailles für einen Tschmachfleck auf dem deutschen Gewand deutscher Ehre?« Und fürchterlich, riesengroß erhebt sich vor meinem innern Auge dieses Tier zu einem Symbol deutscher Größe: auch es wird einmal uns und unsre Kinder und Kindeskinder an den Welschen rächen. Und ich sehe das Eichhorn, vor einen Tank gespannt, im Dienste der nationalen Sache, einherziehn in die Schlacht, für die wir ja alle, Mann und Jungfrau, unsre Kinder gebären. Denn was hat der Deutsche der Welt zu liefern? Menschenmarmelade.“

Kurt Tucholsky, „Viermal Eichhörnchen“, 1932.

Der Soziologe Armin Nassehi stellt im „SPIEGEL-Interview (Nr. 32/1.8.´25, S. 20) korrigierend fest: „Migration ist das zentrale Thema der AfD, aber es ist eingebettet in den generellen Unmut gegen die gesellschaftlichen Eliten.“

Zudem: Der organisierten Verdummung wird immer weniger auf den Leim gegangen.

Krieg ist nicht Frieden. Rüstungsexporte schaffen keine zivilisierten Bedingungen und Möglichkeiten. Sterben für das „Vaterland“ ist keine erfreuliche Perspektive. Befehl und Gehorsam sind mitnichten ein demokratisches Prinzip. Mars (Kriegsgott) kann keineswegs als freundliches Persönlichkeitsideal gelten. Panzer sind kein öffentliches Transportmittel. Biestige Feindpropaganda behindert die Lösung gemeinsamer globaler Probleme (Nord-Süd-Gefälle, gewalttätige Konflikte, ökologische Zerstörung).

Dagegen und darüber hinaus gibt es ein großes Paket positiver gemeinschaftlicher Aufgaben wie sinnvolle und adäquat ausgebildete und bezahlte Arbeit; die bedarfsgerecht öffentlich finanzierte und wertgeschätzte Entwicklung von Bildung, Gesundheit und Kultur sowie die auf der Höhe der Zeit sanierte gemeinschaftliche Infrastruktur. Allgemeinwohl statt Bomben!

Diese menschenwürdigen Zwecke sind nicht nur einer Regierung anzumessen, sondern ebenso den Betrieben und öffentlichen Einrichtungen sowie den gesellschaftlichen Verkehrswegen, Bauten und Kommunikationsmitteln.

Auch die Hochschulen sind etwas Besseres und Anderes als sinnbildliche Elfenbeitürme oder brodelnde Labors für eine gierige Industrie.

„Der Forschung Der Lehre Der Bildung“ bedeutet immer noch und wieder verstärkt die aufgeklärte Wissensbildung für die „Erleichterung der Mühsal menschlicher Existenz“(Bertolt Brecht, „Das Leben des Galilei“) , die Bildung mündiger und verantwortlicher Persönlichkeiten bzw. die rational nützliche Einmischung in zu entscheidende gesellschaftliche Kontroversen. Auf die Richtung kommt es an. Für die angenehmere Variante haben (fast) Alle eine Verantwortung respektive die Möglichkeit kooperativen Wirkens. Wer seine Lage erkannt hat, kann daran erfreulich mitwirken. Dies beginnt schon bei der Infragestellung der Unwahrheit, setzt sich fort bei der Befürwortung von berechtigten Ansprüchen und wird wirksam bei entsprechendem Engagement. Kritisches Denken hat diese Bedeutung. Studieren so seinen Sinn. Niemand ist ein bloßes Objekt. Die Selbstbestimmung sei sozial.