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Mit Vorrang – die Friedensfähigkeit!
Desaströs
„Merz sollte seinen Koalitionären und Parteifreunden von seinen Gesprächen mit Trump berichten. Auf dieses Amerika ist kein Verlass mehr. Deutsche und Europäer müssen sich selbst schützen. Dazu kann auch ein Einsatz in der Ukraine gehören.“
Marina Kormbaki, „Wegducken ist keine Option“, „SPIEGEL“, Nr. 35/22.8.25, S. 6 (Leitartikel).
Eine andere Sicht
„Es ist in diesen Tagen 88 Jahre her, dass der NS-Staat Ernst Barlachs Schwebenden Engel aus dem Güstrower Dom entfernen ließ. Es geschah am 23. August 1937. Zehn Jahre, seit 1927, hatte das Kunstwerk gemahnt: Keinen Krieg. Ihr wisst, was es bedeutet, ihr seid zwischen 14 und 18 schon einmal hineingeraten. Das ging den Nazis zu weit. Barlachs Engel fügte sich nicht der erwünschten Kriegstüchtigkeit. (...) Das entscheidende, über den 15. August hinausweisende Fazit des Gipfels von Alaska besteht allerdings darin, dass die US-Führung den russischen Präsidenten als legitimen Partner respektiert hat, um die bilateralen Beziehungen zu entspannen und wieder zu einer kooperativen Koexistenz zurückzufinden. Die hat es nach dem Ende der Sowjetunion 1991 bestenfalls in Ansätzen gegeben.“
Lutz Herden, „Einem Krieg politisch gewachsen zu sein“, „der Freitag“, Nr. 34/21.8.´25, S. 5.
Begründete Ablehnung
„Immerhin ist der Wehrdienst ja ungeheuer attraktiv. Wer kann sich etwas Attraktiveres vorstellen als Kasernenfutter zum Abendbrot? Wer kann sich etwas Attraktiveres vorstellen, als zur Sau gemacht zu werden, weil man zwei Minuten zu spät zum Zählappell erschienen ist? Wer kann sich etwas Attraktiveres vorstellen, als im Zweifelsfall für Deutschland zu töten und zu sterben?“
Giosue Tolu, „Lieber fliehen“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 14.8.´25, S. 41.
Ebenfalls zu bedenken
„Wer weniger Geld hat als wir, dem fehlen die materiellen Voraussetzungen, das Leben voll zu genießen. Sicherlich schlummern auch im Arbeiter unerlöste kulturelle Bestrebungen, aber sie müssen wissen, Herr Ministerialrat, die Tiefergestellten wollten vielleicht, sie können nicht. Ich bitte Sie, was haben diese Leute für Interessen!“
Kurt Tucholsky, „Ein Pyrenäenbuch/Ausflug zu den reichen Leuten“, 1927.
Der „schwebende Engel“ von Ernst Barlach (1870-1935) ist Käthe Kollwitz (1867-1945), der antimilitaristischen Künstlerin, zugedacht. Er ist ein Friedenssymbol. Die Skulptur ist wieder im Güstrower Dom zu sehen.
Der „SPIEGEL“ ist in seinem aktuellen Leitkommentar zum Zerrspiegel geworden: Krieg, Krieg, Krieg so weit man blicken können soll. Hinweggetrampelt wird über die negativen Erfahrungen mit Zwei Weltkriegen und den anspruchsvollen Schlußfolgerungen daraus. Verunglimpft werden die Entspannungspolitik und die Abrüstungsverträge. Ätzend hinweggewischt die drängend zu lösenden globalen Aufgaben wie die Überwindung von Hunger und Elend und die gemeinsame Bewältigung der Klimakrise. Schiet de Hund op!
Dabei ist dem Irrwisch Trump tatsächlich in diesem Zusammenhang ein gewisser Realismus zuzurechnen. Das mag keineswegs genügen oder das Bild des US-Despoten in ein freundliches Licht bringen. Dennoch tut die Friedensbewegung gut daran, ihr Bemühen um die Beendigung von Kriegen, Diplomatie und zivile Entwicklung fortzusetzen bzw. sich nicht von dem Rüstungs- und Kriegsgeschrei beeindrucken zu lassen.
Frieden als Gewaltlosigkeit und sozio-kultureller Fortschritt wahr, ist und bleibt die erste BürgerInnenpflicht.
Das ist vernünftig, sinnvoll und wirksam sowie eine verdienstvolle Aufgabe von der überwiegenden Mehrzahl für die überwiegende Mehrzahl. Alle zählen dabei.
Da hat der Kommentator in der „FAS“ schon recht, den Wehrdienst aus guten Gründen abzulehnen.
Auch ist zu bedenken, daß die Kluft – landesweit und international – zwischen Arm und Reich zu überwinden ist. Gesundheit, Bildung, Kultur und gesellschaftliche Infrastruktur sind im Allgemeininteresse – öffentlich ausreichend finanziert – zu entwickeln.
Die Hochschulen, die Wissenschaften gehören unbedingt dazu. Wissen ist eine angenehme Macht, wenn es begründet und aussichtsreich zu menschenwürdigen Bedingungen und weiteren Möglichkeiten beiträgt. So sei der „Schwebende Engel“ ein Symbol für humane Ansprüche, die mehr und mehr wider die Zerstörung zu verwirklichen sind. Der ästhetische Ausdruck erinnert uns immer wieder daran. Resignieren gilt nicht.