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Irrtümliches Aufstiegsversprechen
Märchen passé
„Es war ein Glücksversprechen der jungen Bundesrepublik: Streng dich an, bau dir etwas auf, und es wird dir einmal besser gehen als deinen Eltern. In der Nachkriegsgeneration ging diese Rechnung für viele Deutsche auf. Dank Bildung, Eigenheim und Auto erreichten viele Nachkommen einen Lebensstandard, von dem ihre Eltern nur träumen konnten. Doch für die Kinder, die Mitte der Siebziger Jahre und später geboren sind, ging dieses Aufstiegsversprechen immer seltener in Erfüllung. Das zeigt eine neue Studie des Münchener Ifo-Instituts. >Die soziale Mobilität ist in Deutschland seitdem deutlich zurückgegangen<, sagt Ifo-Forscher Andreas Peichl. Der Einfluss des Einkommens der Eltern auf das spätere Einkommen der Kinder habe sich seit Ende der Siebziger- und Achtziger Jahre innerhalb von einer Generation verdoppelt. (…) Das Forschungsergebnis kam unerwartet.“
Johannes Pennekamp, „Aufstiegsversprechen ade“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 6.8.´25, S. 17.
Weitere Angriffe
„Es war einmal der Wahlkampfschlager der Union: Vier Millionen Menschen kassierten angeblich Bürgergeld, obwohl sie arbeiten könnten. Eine sechsstellige Zahl unter ihnen würde hartnäckig jedes Vermittlungsangebot der Jobcenter ablehnen. Mit dieser Geschichte zogen die Unionsparteien durchs Land, und sie hatte alles, was ein Wahlkampfhit braucht: Sie bediente althergebrachte Vorurteile und schuf ein klares Feindbild – das vom faulen, arbeitsscheuen Drückeberger, der es sich auf Kosten der fleißigen und ehrlichen Steuerzahler bequem macht. (…) Es ist unwürdig, Menschen mit Sanktionen in einem Hamsterrad zu halten, aus dem sie nicht entkommen können. Es ist gefährlich, Sündenböcke zu schaffen, und politisch unklug, sich den Realitäten nicht zu stellen.“
Ulrich Schneider, „Bürgergeld: Feindbilder und Luftbuchungen“, „Blätter für deutsche und internationale Politik“, Nr. 9/2025, S. 17-20, hier S.17 u. S. 20.
Neues Märchen
„Ich hoffe, dass sich mehr Hochschulen ihrer Verantwortung bewusst werden und ihre Forschenden von den Fesseln der Zivilklauseln befreien. Wer unsere freiheitlich demokratische Grundordnung und den Frieden sichern will, muss sie verteidigen können. Und dazu braucht es die Wissenschaft.“
Thomas Hofmann (Präsident der TU München), „Falsche Neutralität“, „SPIEGEL“ Nr.37/5.9.´25, S. 42 u. 43, hier S. 43.
Guter Rat
„Sich im Kriege zu drücken, wo immer man nur kann – wie ich es getan habe und Hunderte meiner Freunde – ist das Recht jedes einzelnen. Jubel über militärische Schauspiele ist eine Reklame für den nächsten Krieg; man drehe dem Kram den Rücken oder bekämpfe ihn aktiv. Auch wohlwollende Zuschauer sind Bestärkung.“
Kurt Tucholsky, „Über wirkungsvollen Pazifismus“, 1927.
Ein Bild machen: Das „Aufstiegsversprechen“ läßt – besonders aktuell – an den Esel denken, dem man, auf ihm reitend, mit Stock und langer Leine eine Karotte vor die Schnauze hält: Er erreicht sie nie und bleibt dauernd hungrig, läuft aber voran. Die soziale Ungleichheit ist größer geworden. Das Bildungssystem bestätigt diesen Missstand. Wir sind keine Esel.
Besonders die Merz´sche CDU will diese Übel verstärken. Die SPD macht, nur leicht mäßigend, mit. Die AfD ist alles andere als eine Alternative. Hinzu kommt das Märchen von der unausweichlichen Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft. Teuer, sinnlos und schädlich.
Die Zivilklauseln an den Hochschulen sind keine „Fesseln“, sondern eine positive Freiheit, frei von den Geboten des Krieges, für die wissenschaftliche Realisierung von zivilen, menschenwürdigen Zwecken, wie sie in den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals/SDGs) der UNO gefaßt sind: Für Frieden, eine intakte Umwelt und die Beseitigung jeglichen menschlichen Elends. Aufklärung, Wahrheitsfindung, „Der Forschung Der Lehre Der Bildung“, die Entfaltung sozial verantwortlicher Persönlichkeiten, stehen in ihrem Wesensauftrag dem Militarisierungsgebot diametral entgegen.
Nicht Zerstörung sei die Devise, sondern Aufbau und Entwicklung. Die Beendigung von Kriegen, die Bewältigung der Klimakrise, die Aufhebung des globalen Nord-Süd-Gefälles entsprechen dem Grundgesetz, der UNO-Charta, den Menschenrechten und sind seit jeher Inhalte und praktische Ambitionen gemeinsam engagierter Menschen in Bewegungen, Parteien, Gewerkschaften, aber auch in Institutionen, Wissenschaften und Künsten. Gesundheit, Bildung und Kultur für Alle.
Dieses kooperative kritische Wirken geht über das „Aufstiegsversprechen“ weit hinaus: Nicht der individuelle Nahkampf zählt. Stattdessen hat das gesellschaftliche Engagement für die Verbesserung der sozialen, kulturellen und demokratischen Lebensverhältnisse solidarische und persönliche Bedeutung.
Diese Bedeutung läßt sich erkennen in vergangenen Aktivitäten und aktuellem Einsatz, dem mensch sich jederzeit und allerorten anschließen kann.
Den Märchen ist nicht zu glauben. Die Wahrheit liegt in der positiven Gestaltung. Ein Schelm durchschaut lachend die versuchten Täuschungen, will das Bessere und macht sich mit anderen auf den Weg. Die (menschliche) Entwicklung ist eine unendliche Geschichte.