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Allgemeinwohl

In der Kontroverse

So, so
„Ein Vermögen zu besitzen, ist kein Verbrechen. Und ein großes Vermögen zu haben, ist kein Kapitalverbrechen. Doch dieser Eindruck wird in der öffentlichen Debatte mitunter erweckt. Dabei ist Reichtum, wenn man einen noch stärkeren Reizbegriff verwenden will, genauso wie Armut erst einmal eine Auslegungsfrage und auch in gehörigem Maße relativ. Reich oder arm im Vergleich zu wem oder was? Es ist zunächst einmal auch Privatsache. Abgesehen davon, dass sich Vermögen ja auch in öffentlicher Hand befindet und auch Staaten, wieder je nach Betrachtung, als arm oder reich gelten. Vermögen kann ererbt oder verschenkt worden sein oder erworben – auf welche Art und wie legal auch immer. Insofern ist privates Vermögen und Eigentum etwas Individuelles, aber nicht unbedingt Ausdruck individueller Leistung. Geht das den Staat gar nichts an? Doch, genauso wie die Arbeitskraft. Wenn eine demokratische Mehrheit zu dem Schluss kommt, Einkommen und Vermögen und Eigentum oder die Erbschaft müssten auf eine bestimmte Weise besteuert werden – dann ist das selbstverständlich möglich.“
Reinhard Müller, „Jeder das Seine – für alle“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 29.9.´25, S. 1 (Leitkommentar).

Die Kosten
„Steigen die Kosten für alltägliche Dinge wie Lebensmittel schneller als das durchschnittliche Haushaltseinkommen, sprechen Ökonomen von einer >Cost-of-Living-Crisis<, einer Lebenshaltungskostenkrise. Diese hat sich im Zuge der Corona-Pandemie nicht nur durch alle Industrieländer, sondern durch sämtliche schmale Geldbörsen der Welt gefressen und die Menschen real ärmer gemacht. Der Lebensstandard sinkt und die Angst setzt sich fest, eines Tages ganz abzurutschen. (…) Da man Preise, Abbuchungen vom Konto oder Rechnungen täglich vor Augen hat, ist der psychische Stress hier am folgenschwersten. (…) Die Marktkonzentration im Einzelhandel, aber auch im Energiesektor verschafft Lebensmitteldiscountern und Öl- und Gaskonzernen eine nahezu diktatorische Preismacht.“
Wolfgang Michal, „Inflationsangst essen Seele auf“, „der Freitag“, Nr. 39/25.9.´25, S. 6.

Gute Frage
„Ist denn kein Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Schinderei?“ (247)
Georg Christoph Lichtenberg, „Sudelbücher“, Heft C, 1772-1773.

Wirklich und nicht akzeptabel: Arm und reich sind nicht gleich. Der einen Reichtum ist der andern Schinderei. Die Schinderei ist ungesund. Steuern und Löhne sind anzuheben. Das ist „selbstverständlich möglich“. Gesundungen sind die Folge. Das ist keine beliebige „Auslegungsfrage“ und auch keine „Privatsache“. Die wachsende soziale Ungleichheit ist ein gesellschaftliches Verhältnis, geht Alle etwas an und ist dringend zu überwinden. Selbstverständlich nach gründlicher Betrachtung. Und mit entsprechenden Konsequenzen.

Diese Betrachtung ergibt ebenso, daß Aufrüstung und Militarisierung der menschlichen Gemeinschaft schädlich sind. Gesellschaftliche Kapazitäten werden so destruktiv (hohe Kredite) gebunden und stehen nicht mehr für die zivile Entwicklung und die stete Realisierung des – auch internationalen – Allgemeinwohls zur Verfügung. Zudem steigt die Kriegsgefahr und das Militär gehört zu den größten Umweltverschmutzern auf dem Globus. Die simple und strenge Hierarchie, unausweichlich Befehl und Gehorsam, des Militärs ist mit einer aufgeklärten und positiven Entwicklung von Demokratie und Persönlichkeiten nicht vereinbar. Der gesamtökonomische Nutzen (Arbeitsplätze und Konjunktur) ist minimal. Der Machtzuwachs der Rüstungsindustrie ist enorm bedenklich. Gift für humane Mentalitäten.

So gesehen ist der Besitz von (großen) Vermögen – formaljuristisch – zwar kein Verbrechen oder Kapitalverbrechen (beispielsweise Mord); dennoch gebieren soziale Ungleichheit und sozialer Unsinn „Ungeheuer“.

An ihre Stelle sollen und können Aufklärung, Vernunft, demokratisches Engagement, die Friedensfähigkeit, der vehemente soziale Ausgleich, die tatsächliche Bewältigung der Klimakrise, der Vorrang der Kooperation vor wildem Pathos und Konkurrenzgeboten neue, erweiterte Bedeutung erhalten.

Diese Bedeutung ist gleichfalls in angemessener Sorgfalt Bildung, Kunst, Kultur und Wissenschaften zuzumessen.

Arm zu sein ist nicht menschenwürdig, Krieg nicht Frieden, Lüge nicht Wahrheit, Beschönigung kein Realismus, Raubbau an der Natur nicht rational, der Mensch kein Knecht und die Gesellschaft keine „Privatsache“ der Oberen.

Das TINA-Prizip („There is no Alternative“) steht auf dem Prüfstand. Ein „Weiter so!“ soll es nicht geben. „Wenn Menschen widerstehen, handeln Tatsachen.“ (Heinrich Mann)