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Wider das Elend

Eine Wende für Alle

„Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen ist mit dem Friedensnobelpreis 2020 ausgezeichnet worden. Das teilte das norwegische Nobelpreiskomitee in Oslo mit. Die UN-Organisation werde damit unter anderem für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger sowie ihren Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Preisbekanntgabe.
2019 hätten 135 Millionen Menschen an akutem Hunger gelitten. Das sei die höchste Zahl seit vielen Jahren. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation verschlechtert. Der größte Teil der Zuwächse sei durch Kriege und bewaffnete Konflikte verursacht worden. Man werde niemals das Ziel erreichen, dass es keinen Hunger mehr gebe, wenn es nicht auch ein Ende von Krieg und bewaffneten Konflikten gebe.
Reiss-Andersen hob insbesondere die Bedeutung in der Corona-Pandemie hervor, die die Situation für Millionen Menschen gerade in Konfliktgebieten zusätzlich verschlimmert habe. Derzeit gebe es noch keinen Impfstoff gegen Covid-19.›Ernährung ist die beste Impfung gegen Chaos‹ so das Preiskomitee. ›Dies ist ein stolzer Moment‹, sagte ein Sprecher des Welternährungsprogramms in Genf. Auf Twitter schrieb die Organisation: ›Wir sind sprachlos.‹
›Die Welt ist in Gefahr, eine Hungerkrise von unfassbarem Ausmaß zu erleben‹, wenn das Welternährungsprogramm nicht die geforderte finanzielle Unterstützung erhalte, sagte Reiss-Andersen.“

„Kampf gegen den Hunger/Friedensnobelpreis geht an Welternährungsprogramm der UN“; „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“), 9.10.2020.

„Die Erfahrung lehrt: Große Paradigmen kippen dann, wenn die Wirklichkeit zu sehr mit dem kollidiert, was die Heilslehre beschreibt. Was 2008 der Fall war, als klar wurde, dass die bis dahin als so effizient geglaubten Banken und Finanzmarktakteure die größte Krise seit Jahrzehnten verbockt hatten. Und dass, just ein paar Jahre nachdem in Deutschland unter dem marktliberalen Label Agenda 2010 noch Leistungen für Leute gekürzt worden waren, die ohnehin eher weniger hatten, plötzlich Geld zur Rettung von Leuten da war, die ein Vielfaches verdienten.“
Thomas Fricke, „Corona, Flüchtlinge, Bankencrash/Die Mutter unserer Krise“, „SPIEGELONLINE“, 9.10.2020.

„FAZ: Weltbankpräsident David Malpass hält wegen der Corona-Pandemie einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder für dringend geboten. Sie auch?
Müller: Natürlich. Alles andere wäre grotesk, wenn wir auf der einen Seite unterstützen und auf der anderen Seite mitten in der Krise die Schulden einfordern. Wichtig ist, dass die Gruppe der zwanzig Industriestaaten und Schwellenländer einschließlich China eingebunden ist. (...) Ein Staatsbankrott bedeutet kein Geld für Krankenhäuser, Polizei und Sicherheit. Damit bauen sich Krisen und Bürgerkriege direkt in unserer Nachbarschaft auf – mit Flucht und Vertreibung.“

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), neben der Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, im Gespräch mit „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 12.10.2020, S. 17.

Ein Schuldenschnitt für die armen und ärmsten Länder auf der Welt ist schon seit längerem und immer wieder in der Diskussion zur politischen Überwindung des Elends von vielen Millionen Menschen. Banken hungern nicht. Zudem hat eine aktuelle Studie der Schweizer Großbank UBS und der Beratungsgesellschaft PWC ergeben, daß die Vermögen der Ultrareichen bis Juli 2020 global auf ein neues Rekordhoch von 10,2 Billionen Dollar angestiegen sind (Ende 2017: 8,9 Billionen Dollar). Diese Vermögen befinden sich in den Händen von weltweit 2.189 Milliardären (plus 31).

Finanzielle Mittel zur Behebung von Not und Elend, auch darüber hinaus für positive Zwecke (Soziales, Arbeit, Bildung, Kultur, Gesundheit und Infrastruktur) sind also hinreichend vorhanden. Es bedarf also „nur“ einer sinnvollen Politik – regional, in den Ländern und international –, die Mittel steuerlich zu erheben, sie koordiniert einzusetzen und planvoll für menschenwürdige Bedingungen zu handeln. Dabei sind ebenso der Aufbau von Schulen sowie die (geschützte) Entwicklung der Landwirtschaft in den armen Ländern von großer Bedeutung. Außerdem wies die Präsidentin der Welthungerhilfe (s.o.) darauf hin, daß durch ein Lieferkettengesetz die Arbeitsbedingungen auf Tee- und Kaffeeplantagen, auf den Baumwollfeldern und den Textilfabriken verbessert werden sollen.

Aber auch hierzulande gilt (siehe Thomas Fricke im zweiten Zitat), daß durch eine entsprechende Steuer-, Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitspolitik - einschließlich des Streichens der „Schuldenbremse“ sowie der Resozialisierung der Krankenhäuser – der strukturellen Krise wirksam begegnet wird, um somit die sozio-kulturellen Lebensbedingungen der Mehrheit zu verbessern und auch den schädlichen Demagogien der rechten Kräfte nachhaltig entgegenzuwirken. Da dies nicht von allein geschieht, sind alle Aktivitäten in diese Richtung fortzusetzen und weiter zu entwickeln. Auch die Hochschulen sind in dieser umfassenden Verantwortung gefordert. Aufklärung respektive fundiert solidarische Meinungs- und Persönlichkeitsbildung sind unverzichtbar. Übrigens gilt – zumal für den Beginn des Semesters – für die Hochschulen: So viel Präsenz wie möglich und so wenig Digital wie nötig.

Mensch
Gebrauche Arme, Beine, Kopf,
Denke, kämpfe, schreite, zeige,
Sei kritisch, freundlich und kein Tropf.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg,
SDS* Hochschulgruppe Uni Hamburg.
Veröffentlicht am , http://www.bae-hamburg.de/