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Wissenschaft?
Eine Renaissance der Humanität

„Wollen wir uns vor der Atombombe und anderen modernen Waffen schützen, müssen wir einen Weg zur Verhütung von Kriegen finden. Gelingt uns das nicht, kann man im Kriegsfall fest damit rechnen, dass Nationen trotz aller gegenteiligen Versprechungen sämtliche ihnen zur Verfügung stehenden Vernichtungsmittel benützen werden. Und solange Kriege möglich sind, werden die Regierungen aller Nationen weiter rüsten. Diese Politik der ständigen Kriegsbereitschaft macht die Abschaffung von Kriegen unmöglich.
Ich glaube, das ist das entscheidende Problem, dem wir gegenüberstehen. Unsere erste Aufgabe besteht in dem Versuch, den anderen Nationen klarzumachen, dass Kriege um jeden Preis abgeschafft werden müssen und das alle anderen Fragen von sekundärer Bedeutung sind.“

Albert Einstein, Rede vor dem „Notstandskomitee der Atomwissenschaftler“ am 17. November 1946 in Princeton; zit. nach: „Albert Einstein. Über den Frieden. Weltordnung oder Weltuntergang?“, Köln 2004, S. 404.

Nicht nur die Frage Krieg oder Frieden bewegt die Welt. Spätestens seit dem GAU von Fukushima und mit der drohenden Klimakatastrophe steht eine nachhaltige wie ungefährliche Energieproduktion auf der globalen Tagesordnung.

Auch weist beispielsweise die Welternährungsorganisation der UNO darauf hin, daß nicht knapp eine Milliarde Menschen Hungers leiden müsste, sondern die Menschheit mit den gegenwärtig vorhandenen Kapazitäten zweieinhalbfach ernährt werden könnte.

Seit der Renaissance im 15. Jahrhundert macht die Wissenschaft von Natur, Mensch und Geschichte rasante Fortschritte. Doch spitzt sich seither ebenso der Gegensatz zwischen lebensbejahender Produktivität und dem destruktiven Druck profitabler Verwertung inklusive militärischer und geistig-moralischer Hegemoniepolitik zu.

Diesen Widerspruch befreiend zu realisieren heißt, die positive Seite der Möglichkeiten stärken – für Alle: das gesellschaftliche Leben ohne Not und Gewalt, den sozialen Gemeinsinn, die geistreiche Produktion von Gebrauchswerten, die gewitzte Kritik der Übel, das kooperative Lernen, lügenfreie Medien, aufklärende Künste, tasächliche Demokratie, somit die bewußte Menschwerdung.

Dieses Potential zu erkennen, zu heben und durch eingreifende Kritik allgemein schädlicher Bedingungen zu verwirklichen, ist die entscheidende Gemeinsamkeit aller Wissenschaften und sozialer Kämpfe.

Aus dieser Verantwortung ergeben sich praktische Erfordernisse: die Hochschulen sozial zu öffnen und ausreichend öffentlich zu finanzieren (auch: die Künste, die Kitas und die Krankenhäuser), demokratische Partizipation zu praktizieren sowie gesetzlich neu zu verankern, kritische Bildung zu entwickeln und die kooperative Überwindung der kommerziellen Verwertungshierarchie in Studium, Lehre, Forschung und (Selbst-)Verwaltung der Universität alltäglich zu realisieren.

„Aber, das weiß ich, ist Pflicht: wenn man die Wahrheit lehren will, sie ganz oder gar nicht zu lehren; sie klar und rund, ohne Rätsel, ohne Zurückhaltung, ohne Mißtrauen, ihre Kraft und Nützlichkeit zu lehren; und die Gaben, welche dazu erfordert werden, stehen in unserer Gewalt.“

Gotthold Ephraim Lessing, „Über die Wahrheit“, [Berengarius Turonensis], 1770.

Krisis heißt Entscheidung. Die Renaissance der Humanität steht Mangel und Konkurrenz entgegen. Diese Wendung zum Guten verlangt die Infagestellung von „Sachzwängen“ und schlechten Gewohnheiten. Sie fordern den Intellekt zur Entwicklung solidarischer Antworten auf die Krise der Zivilisation heraus.

Ohne Rätsel, ohne Zurückhaltung.