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Für bessere Zeiten

Mehr Gleichheit orientiert die Freiheit

›Kotzhügel‹
„Die Zeiten sind ohne Zweifel übel. Aber viele unterschätzen die Kraft demonstrativer Normalität und Gelassenheit. Auch die sind nämlich ansteckend. Nach Terroranschlägen – auch die Wiesn war davon betroffen – hieß es oft: Wir müssen weiterleben wie bisher, um so unseren westlichen Lebensstil zu behaupten. Der ist beileibe nicht so toll, wie wir uns und anderen das eingeredet haben – der ›Kotzhügel‹ am Rande der Festwiese taugt dafür als Mahnmal.
Doch wer zuletzt noch einmal die Bilder der Machtübernahme der Taliban vor einem Jahr gesehen hat oder ebendie aus dem Ukrainekrieg, der kann nur zu dem Schluss kommen: Feiere, wer kann. Deutschland wird auch auf der Theresien- wiese verteidigt.“

Timo Frasch, „Illusionstheater“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 1.10.2022, S. 1 (Leitkommentar).

Duschkopf
„Nicht vergessen:
° Nicht Baden und kürzer duschen; Drei Minuten kürzer spart einer Familie im Jahr 100 Euro.
° Effizienten Duschkopf einbauen: Das halbiert den Energieverbrauch.
° Kabelanschluss kündigen, wer nur streamt. Die Anderen: Lieber Satellit als Kabel.
° Vertrag mit Fitnessstudio kündigen oder endlich mal hingehen.
° Langsamer fahren: Das spart Sprit, und Radfahren hilft noch mehr.
° Zweites Auto abschaffen oder zumindest einmal darüber nachdenken.
° Zu teure Einkäufe stornieren. Das geht bei Internet-Bestellungen bis zu zwei Wochen danach.“

Dyrk Scherff, „Runter mit den Ausgaben – so geht´s“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 2.10.2022, S. 27.

Gleichheit
„Das probateste Mittel, um auf dem Weg zu mehr Gleichheit voranzukommen, liegt auf der Hand: Es müssen diejenigen Institutionen gestärkt und allgemein verbreitet werden, die im Laufe des 20. Jahrhunderts Gleichheit, menschlichen Fortschritt und Wohlstand befördert haben, angefangen mit dem Sozialstaat und der progressiven Steuer. (…)
Eine solche Maßnahme müsste mit einer Reihe anderer Instrumente kombiniert werden, die geeignet sind, insbesondere die Bildungschancen und die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter zu stärken. (…)
Dieses [gegenwärtige Wirtschaftssystem] lässt sich nur durch ein globales Transformationsprojekt überwinden, zu dem jedes Land seinen Teil beitragen muss, indem es eine neue Form der Souveränitätsausübung in universalistischer Absicht praktiziert, das heißt, sich auf explizite Indikatoren für soziale Gerechtigkeit stützt, um diese Widersprüche zu überwinden.“

Thomas Piketty, „Mehr Gerechtigkeit wagen!“, in: „Blätter für deutsche und internationale Politik“ Nr. 10/´22, S. 45-56, hier S. 45, 48 u. 56.

Ja mei, trotz „Kotzhügel“ und alledem: Die deutsche Freiheit wird nicht nur am Hindukusch und in der Ukraine verteidigt, sie kommt auch auf dem originären „Oktoberfest“ zum Ausbruch – saufen, lallen, grölen, torkeln, grabschen, kotzen, dann im Graben und danach einen kräftigen Kater. (Es ist nicht nur so, das kommt aber in dem Leitartikel der „Zeitung für Deutschland“ nicht zur Sprache.)

Hinter dem „Kotzhügel“ die Sparvorschläge für die Mittelschicht: Schneller duschen und langsamer fahren. Wer keine zwei Autos hat, weiß nicht, worauf er verzichten soll.

Dagegen die aktualisierte Erinnerung: Starke Besteuerung der Reichen, ein Sozialstaat, der den Namen verdient, eine hinreichende Ausstattung der öffentlichen Einrichtungen (Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Kultur), eine ausreichende Entlohnung in tariflichen Arbeitsverhältnissen, die Stärkung betrieblicher und institutioneller Mitbestimmung, internationale Zusammenarbeit bzw. die Lösung globaler und regionaler Probleme und gemeinschaftlicher Aufgaben. So bekommt die Freiheit einen Sinn, Orientierung und verantwortliche Verallgemeinerung. Ohne Gleichheit und Solidarität ist „Freiheit“ ökonomische Skrupellosigkeit sowie die Fortsetzung bestehender Probleme und überwindenswerten Elends.

Zur angewandten Vernunft gehören ebenso die umfassenden Bemühungen für Frieden, Abrüstung, strategische Diplomatie und die Eröffnung ziviler Entwicklung und Produktion. Auch Saudi-Arabien sollte keine Rüstungsmittel aus der Bundesrepublik Deutschland für den verderblichen Krieg im Jemen erhalten. Das „Kriegswaffenkontrollgesetz“ sollte tatsächlich gelten. Zumindest keine Waffen in Krisengebiete oder an Kriegsparteien.

Zu diesen Zwecken der gesellschaftlichen Wohlentwicklung bedarf es eines intensivierten Zusammenwirkens verschiedener Bereiche in der Gesellschaft, diverser Kräfte mit humanen Ansprüchen
sowie vieler Einzelner in produktiver Kooperation, die ihre begründete Unzufriedenheit praktisch werden lassen wollen. All das reicht und geht über die gegenwärtige Regierungspolitik hinaus.
In diesem Zusammenhang sind gleichwohl die Wissenschaften gefordert. Hier ist eine präzise Neubestimmung des Verhältnisses von Freiheit und Verantwortung angebracht.

Es bedarf auch aus diesem gesellschaftlichen Bereich der Begründungen und Forderungen für eine humane Zivilisationsentwicklung bzw. der Widerlegung irriger Auffassungen und dem rationalen Kontra zu Vorurteilen und Gewalt. Wissen sei eine positive Macht. Seine Anwendung sei überzeugend. Daran sollte nicht gespart werden. Irritationen des Gewohnten können heilsam sein.

Wer sich souverän wundert, kann besser widerstehen.