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„Mit solidarischem Leben füllen“ – Wer, wenn nicht wir?

„Wir glauben, dass Hochschulbetrieb nur soweit gerechtfertigt ist, als er Dienst am Menschen bleibt. (…) Menschliches Leben ist gemeinsames Leben von verantwortlichen Personen in der Welt. Nur als Teil dieses Lebens ist die Hochschule gerechtfertigt.“
Gutachten des Studienausschusses für Hochschulreform (Blaues Gutachten), 1948.

1945 sollten sich die Hochschulen ihrer Mitverantwortung für die Errichtung der faschistischen Diktatur, der Mentalität und Praxis des Krieges und die ideologische Legitimation von Verfolgung und Vernichtung stellen. In der britischen Zone, zu der Hamburg gehörte, setzte der Militärgouverneur einen mit Wissenschaftler*innen und Personen des öffentlichen Lebens besetzten „Studienausschuss für Hochschulreform" ein. 1948 legte dieser sein Gutachten vor, das aufgrund des blauen Umschlags das „Blaue Gutachten“ genannt wird. Die dort formulierten Reformziele standen im Einklang mit der nahezu zeitgleich von den Vereinten Nationen beschlossenen Menschenrechtserklärung.

Ein Leitgedanke der Universitätsreform galt ihrer Demokratisierung: „Gewiß kann man nicht durch Institutionen allein Neues schaffen. Es wird immer von den Menschen abhängen, wie sie sie mit Leben erfüllen. Aber wenn an einer Stelle, dann sollte an den Universitäten und Hochschulen gelebte Demokratie verwirklicht werden. Die Hochschulen sind groß genug, um ein Staat im Kleinen sein zu können, und noch klein genug, um gewachsene und nicht nur organisierte Lebensformen aus sich heraus schaffen zu können. (…) Das Recht des Mitwirkens leitet sich dabei nicht ab aus einem Privatinteresse oder dem besonderen Interesse einer Gruppe, sondern aus dem Wesen der Körperschaft, die ihre Mitglieder zu verantwortungsvoller Mitarbeit heranzieht.“

Heute, 70 Jahre später, sind Bildung und Wissenschaft erneut global drängend gefordert, für Menschenrecht und Wahrheit zu wirken. Frieden, Gesundheit und soziale Progression, kooperative und würdige Arbeit, nachhaltige Produktion und Energiegewinnung, gleiche Rechte und Entfaltungsmöglichkeiten in Bildung und Kultur müssen engagiert verwirklicht werden. Dies gelingt nur durch Aufklärung in Forschung und Lehre sowie couragierte Aktivität – gegen die Macht der Reichsten, die Kriegswirtschaft, Profitstreben, direkte wie kulturelle Korruption und „gegen Rechts“.

Als „Republik in der Republik“ ist die Universität (potentiell) eine Stätte organisierten Widerstands, der Wahrhaftigkeit und für Wohlentwicklung. Sie ist dies so sehr, wie die dafür erkämpften Rechte und Möglichkeiten von ihren Mitgliedern wahrgenommen werden: im universitären Alltag, in Lehre, Lernen, Forschen und Selbstverwaltung. Die Wahlen zu den akademischen Gremien (Fakultätsräte und Fachbereichsräte*) sind eine Gelegenheit, die solidarische Initiative und Kritik zu stärken:
für Wissenschaften, die sich aufrecht den Problemen dieser Zeit stellen;
für den solidarischen Kampf für die bedarfsgerechte öffentliche Finanzierung von Bildung und Wissenschaft;
für eine Studienreform, die Bildung als gemeinsame Entfaltung ermöglicht;
für ein kollegiales Verhältnis und kommunikative Sorgfalt aller Hochschulmitglieder;
für sozial anständige Arbeits- und Studienbedingungen…
Wählt die kritischen Aktiven! Wählt, selbst aktiv zu werden!


* Die Fachbereichsräte sind (wieder) neu: Als gewählte, fachnahe Gremien zur kollegialen Planung und Entwicklung der Universität von unten nach oben sind sie auf Druck studentischer Bewegung 2014 wieder eingeführt worden. Im Zuge neoliberaler, autoritärer Deformen (seit 2001) waren sie abgeschafft oder als „Vorstände“ von oben „eingesetzt“ worden. Jetzt können wir sie erstmals wieder wählen.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg,
SDS* Hochschulgruppe Uni Hamburg.
Veröffentlicht am , http://www.bae-hamburg.de/