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Run nach dem Geld oder sozial verantwortliche Wissenschaft?

„Bildung umfaßt: eine allgemeine Kenntnis des Menschlichen; das Vermögen, sich zurückzuversetzen in die Geschichte und das Werdende mitzufühlen; eine sprachliche Kultur, die sich daraus ergibt, daß die Dinge des Intellektes als Tatsache und als Macht anerkannt werden.“
Heinrich Mann, „Verfall einer geistigen Welt“, 1934.

Eine menschliche Möglichkeit ist, Lügen durchschauen zu können und sie auch nicht zu vertreten.
Einer wissenschaftspolitischen Glaubenslehre zufolge ist die Qualität von Forschung, Lehre und Studium eine „Leistung“ oder „Exzellenz“, die sich – am besten extern – quantifizieren und hierarchisieren läßt. Dieses erkenntnisarme Rangprinzip, forciert durch ökonomische bzw. soziale Konkurrenz (Unterfinanzierung!), ist ein wirtschafts-liberales Dogma, das dem Bekenntnis folgt: Wer hat – und spurt –, dem soll gegeben werden. Das wird dann Hochschulförderung durch „Drittmittel“ genannt. Die (bei weitem nicht bedarfsgerechte) öffentliche Hochschulfinanzierung, so mahnt nun selbst der etablierte Wissenschaftsrat, wird zunehmend durch die Vergabe solcher Gelder verdrängt. Auch das Präsidium der Uni Hamburg prahlt, die Drittmitteleinnahmen seien in den letzten zwei Jahren um 40 Prozent gestiegen. Die MIN-Fakultät erhielt mit 60 Millionen Euro davon den größten Batzen.

Tatsächlich werden bundesweit zunehmend öffentliche Gelder den Hochschulen entzogen und dann vermittelst sogenannter Exzellenzinitiativen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf dem Wege selektiver Antrags- und Auswahlverfahren wieder an die Unis vergeben. Diese Mittel fließen fast ausschließlich in profitabel anwendungsorientierte Forschung und Graduiertenschulen. Die von Senatorin Gundelach (sie macht wie Helmut Kohl Urlaub am Wolfgangsee) betriebene „Landesexzellenzinitiative“ entspricht ganz diesem Trend; sie hat 15 Mio. Euro über diese Umwege an die Hamburger Hochschulen geschleust. 1,6 Millionen weitere Euro wurden von der Joachim Herz-Stiftung beigesteuert. Der Hamburg Unternehmer Joachim Herz war einer von fünf Erben der Tchibo-Holdig (Tchibo, Beiersdorf) und damit einer der 400 reichsten Menschen der Welt.

Durch diesen Rundenlauf wird die Trennung von Forschung und Lehre forciert, ein immenser bürokratischer Apparat aufgebaut, eine vorauseilend gehorsame Mentalität gefordert und ein Heer von wissenschaftlichen Mitarbeitern gebunden, das auf strukturell und sozial prekären Stellen mehr mit der Arbeit an Anträgen für weitere Förderung beschäftigt ist als mit Forschung und Lehre.
Diese „Forschungsorientierung“, die auch mit dem neuen Struktur- und Entwicklungsplan (STEP) durchgesetzt werden soll, drückt zudem die Studierendenzahl erheblich herab: Noch vor fünfzehn Jahren hatte die Universität Hamburg ca. 42.000 Studierende, nun hat sie (inklusive der einverleibten ehemaligen HWP) nur noch rund 34.500 Studierende.
Folglich ist „Exzellenz“ – als Output-Ideologie, Marktgehorsam und entsprechend als Quantum verkäuflichen Wissens und Gebot dienstbarer Absolventen sowie das Lernen nach Stoppuhr – das Gegenteil von: allgemein nützlichem Erkenntnisgewinn, entsprechend anregender wissenschaftlicher Kooperation, verbreiteter Aufklärung, demokratischer Partizipation und damit humanen Wissenschaften für eine menschenwürdige Gesellschaft.
Diese Alternative erfordert kritisches Engagement, soziale Verantwortung, solidarisches Lernen und zivile Entwicklung in internationaler Kooperation.
Mit diesem Einsatz kann die Universität am besten in Eimsbüttel bleiben, wachsen und gedeihen.
Damit kann nun begonnen werden.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia & Christian Sauerbeck, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg
und FachschaftsBündnis - Aktive für demokratische und kritische Hochschulen,
Veröffentlicht am , http://www.bae-hamburg.de/