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Die Entwicklung gelingt in Gegensätzen: Ein Plädoyer für die kritische Vernunft

„Und wie geht’s Dir?
Bist Du heute fröhlich? Aufgeräumt oder chaotisch?
Schüchtern oder mutig? Aktiv oder ruhebedürftig?“

IKEA Katalog 2010, August 2009.

„Der Schafpelz, den ich umgehängt
Zuweilen, um mich zu wärmen,
Glaubt mir’s, er brachte mich nie dahin,
Für das Glück der Schafe zu schwärmen.“

Heinrich Heine, „Deutschland – Ein Wintermärchen“, Caput XII, 1844.

Das ist keine Photomontage. IKEA hat im August im Audimax den aktuellen Möbel-Katalog vorgestellt. IKEA ist der nordeuropäische Möbelkonzern mit den vermeintlich niedrigen Preisen, bei dem ein Jeder und eine Jede sein bzw. ihr Himmelreich für die vier Wände kaufen kann. – Hey!

Der Konzerneigentümer, Ingvar Kamprad, ist der fünftreichste Mann der Welt und außerdem wegen Überwachungs- und Niedriglohnpolitik sowie seiner Nähe zur politischen Rechten umstritten.

Die Uni Marketing GmbH weiß, wie man universitäre Flächen vermarktet. Auch Kickboxern durfte das Auditorium Maximum schon als Wirkungsstätte dienen. Geld stinke nicht.

Dagegen: Im Foyer des Audimax findet sich seit den 1970er Jahren eine Bodenplatte zum Gedenken an den antifaschistischen, studentischen Widerstand der Weißen Rose. Schon 1967 ist hier das bekannte Photo mit dem Transparent „Unter den Talaren/Muff von 1000 Jahren“ entstanden. Hier hat Carl Friedrich von Weizsäcker seine Vorlesungen vor riesigem und streitbarem Auditorium gehalten – auch für die Bannung der Gefahr des atomaren Overkill. 1999 luden Konzil, Vizepräsident und Fachschafträtekonferenz zu einer Vortrags-Veranstaltung gegen den Jugoslawien-Krieg und begründeten damit die Notwendigkeit ziviler Konfliktlösung. Um die Jahrtausendwende war das Audimax zum Bersten gefüllt, als mit Egon Bahr oder Jürgen Habermas über die Zukunft Europas im Widerstreit zum US-Imperialismus und eine mögliche Renaissance internationaler Vernunft diskutiert wurde.

Das Audimax ist der Ort, an dem sich die Studierendenschaft in Vollversammlungen für den gemeinsamen Kampf für Verbesserungen eines gesellschaftlich verantwortlichen Studiums konstituiert. Es ist auch ein demokratischer Vorlesungssaal mit beeindruckender Akustik (man kann ohne Verstärkung nahezu jeden Redner an jedem Ort hören).

Das Audimax ist kein Einrichtungs-Haus zur Inszenierung privater Verdrängung, sondern da zur kritisch eingreifenden Erkenntnis in gesellschaftliche Wirklichkeit. Das ist sein Vorzug und übrigens auch öffentlicher Auftrag und eigentlicher Sinn der Universität.

Im positiven Widerstreit zur plumpen Kommerzialisierung und vulgären Besäuselung steht deshalb das engagierte Wirken einer wachsenden Zahl von Universitätsmitgliedern aus allen Fakultäten, Bildung und Wissenschaft in den Dienst ziviler Kofliktlösung, sozialer Progression, kulturellen Austauschs und solidarischer Entfaltung zu stellen. Anstatt einer betriebswirtschaftlichen Ideologie und entsprechendem Gottesdienst gibt jede Friedensforschung positive Impulse für eine menschwürdige Gesellschaft. Sie sollte deshalb vermehrt gegen kriegslüsternes Standortgetrommel, aufgeblasene Selbstdarstellung, deprimierende Lernparcours und – last but not least – Studiengebühren couragiert zur Geltung gebracht werden.

Bücher sollen nicht lediglich dekorativ in Regalen stehen. Menschen sollten nicht ruhig gestellt sein und vorwiegend nach fremden Interessen ökonomisch angewendet werden können.

Die Welt ist nicht befriedigend. Einsichten verlangen Taten.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia & Christian Sauerbeck, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg
und FachschaftsBündnis - Aktive für demokratische und kritische Hochschulen,
Veröffentlicht am , http://www.bae-hamburg.de/