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Der Gegensatz zu „Ruhm und Ehre“: Aufklärung, Solidarität – Emanzipation!

„Ist es das nicht, was wir der alten Dame [Universität] wünschen, dass sie auch künftig in der Lage sein wird, den jungen Studierenden, und nebenbei auch den älteren Lehrenden, den Raum für Souveränität zu verschaffen? Was heißt denn das? Souveränität? Souveränität, so haben wir bei Carl Schmitt gelernt, heißt, den Ausnahmezustand selbst bestimmen zu können. Ja, das ist es, wir möchten, dass unsere Universitäten, dass die Universität Hamburg, ihren Menschen dabei hilft, nicht Opfer von Ausnahmezuständen zu werden, nicht Objekte, sondern selbstbestimmte Souveräne.“
Dieter Lenzen, Rede anläßlich des Festakts zum 90. Gründungsjahr der Universität Hamburg, 19.10.2009.

Der Staatsrechtler Carl Schmitt war Preuße und Professor und hat das „Führerprinzip“ in die Juristerei übertragen: Elf Jahre nach seiner Souveränitätsdefinition von 1922 vollendete er sie (für sich) karriereförderlich: „Der Führer schützt das Recht.“ Das Nürnberger Rassegesetz war ihm 1935 eine „Verfassung der Freiheit“.
Schmitt wirkte auch nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland weiter. Trotz des internationalen Bruchs mit dem Faschismus eine deutsche Kontinuität.
Dieter Lenzen ist kein naiver Redner. Er weiß um den morbiden Odem der Blume, die er unter Ausblendung historischer Tatsachen der Universität ins Geburtstagbouquet gesteckt hat. Carl Schmitt war niemals Demokrat.
– Dieser gefährliche Anachronismus gehört auf den Misthaufen der Geschichte!
Denn die Lenzen’sche „Souveränität“ ist im aktuellen Rahmen die Aufforderung an die Lehr- und Lerngemeinschaft, sich im Konkurrenzgeschehen auf Kosten anderer herrschaftlich zu behaupten. Das sei im Übrigen der Sinn von „Bildung“: Die Elite mache sich Sklaven aller Art untertan; für die Aktienkurse und die Ausbeutung; Talare, Talare, Talare – dreimal täglich Kniebeugen und primitive Betriebswirtschaft.
Derartiges Herrschaftsgebaren endete jedes Mal in Desaster. Der „Laden“ – ob nun die Republik, die Stadt oder die Universität – ist dadurch bereits in übler Verfassung. (Es sind übrigens von Menschen geschaffene kulturelle Zusammenhänge.) Das begründete Unbehagen darüber verstummt nicht. Es kommt mehr und mehr darauf an, daß sämtliche durch Boxen, Bluff und Biederkeit Traktierte die Chose selbst in die Hand nehmen.
Die Universität sollte dazu ein öffentlich eingreifendes Forum sein. Für Antifaschismus und aufgeklärtes Menschsein, für Verständigung und Frieden, für soziale Progression, für die Herrschaft allein der Argumente und immer: Mittenmang – mit Bodenhaftung und Weitblick – im Leben, damit es wirklich besser werde.
Dafür sollten nicht zuletzt im Akademischen Senat die VertreterInnen der Studierenden, des wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Personals sowie der Hochschullehrer weltanschauungs- und fächerübergreifend eintreten.
„Und die Leute werden uns schon verstehen, wenn wir ihnen sagen, daß sie in der Folge alle Tage Rindfleisch statt Kartoffeln essen sollen und weniger arbeiten und mehr tanzen werden. – Verlassen Sie sich darauf, die Menschen sind keine Esel.– “
Heinrich Heine an Heinrich Laube, Paris, den 10. Juli 1833.
Wer Ballast abwirft, richtet sich auf.
Solidarität ist Souveränität. Auf gemeinsame Initiative kommt es an.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia & Christian Sauerbeck, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg
und FachschaftsBündnis - Aktive für demokratische und kritische Hochschulen,
Veröffentlicht am , http://www.bae-hamburg.de/