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NULLKOMMAACHTACHT

„Kinder, ihr müßt euch mehr zutrauen!
Ihr laßt euch von Erwachsenen belügen
Und schlagen. – Denkt mal: fünf Kinder genügen,
Um eine Großmama zu verhauen.“

Joachim Ringelnatz, Kinder-Verwirr-Buch, 1931.

Was ist Wissenschaft? Am ehesten: Gemeinschaftliche Wahrheitsfindung und -anwendung. Dadurch bilden sich Persönlichkeiten.

Die Kultivierung der Gesellschaft und die rationale Beantwortung von Entwicklungsfragen der Menschheit ist ein produktives kulturelles Prinzip, das überall Schule machen kann und sollte. Denn Geschichte, Gegenwart und Zukunft, Ökonomie, Staat und Politik, Positionen und Handlungen, Umwelt, Länder und Menschen, Krankheit und Heilung, Wirkliches und Mögliches, Kitsch oder Kunst – alles ist erkennbar, kritikwürdig und veränderbar. Das ist menschlich.

Dafür hat die Universität eine Vielfalt an Fächern und Beteiligungsmöglichkeiten, dafür wirken zum Beispiel die Ethik und Geschichte der Medizin, aber auch eine präventive Zahnmedizin, die Arbeitsstelle für Hamburgische Geschichte oder Sonderpädagogen, die verbliebenen Vor- und Frühhistoriker und Finnougristen, die Theatersammlung und Friedensforscher. Entscheidend ist, den Fortschritt sozial verantwortlich zu bestimmen.

Diese gesellschaftliche Herausforderung ist in Zeiten nuklearer Technologie und abgehobener „Politik“, algorithmengelenkter Finanzspekulation und aufreibenden Arbeitsdrucks, wachsender sozialer Ungleichheit und idiotischen Lernstresses aktueller denn je.

Eine Konzeption für Wissenschaft und Gesellschaft haben also alle, die in ihren Überlegungen und Handlungen von den gemeinsamen sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Mehrheit ausgehen. Nullkommaachtacht Prozent, die mickrige Marge der vermeintlich höchstmöglichen jährlichen Steigerung der öffentlichen Ausgaben für Bildung, Wissenschaft, Soziales und Kultur, die der Senat zur Einhaltung der „Schuldenbremse“ der Stadt anordnen will, widerspricht diesem allgemeinen Zweck.

Infolgedessen spitzen sich Verteilungskämpfe in den Fakultäten zu, wird im UKE die Streichung der Zahnmedizin ernstlich erwogen, steigt der Druck auf Studierende und Lehrende, sich konkurrenzhaft durchzusetzen: Studienplätze würden abgebaut und die Schleusen zu asozialer Konzernanbindung der Wissenschaften weiter geöffnet; und es sollen 5-10 Prozent der Verwaltungsstellen weggekürzt werden, während die Beschäftigungsverhältnisse prekär bleiben.

Wer begrenzt (wenigstens auf 0,88 Prozent im Jahr) die Steigerung der Mieten oder Lebensmittelpreise? Wer bremst entsprechend die Renditen der Banken und die Dividenden großer privater Vermögen?

So muss das nicht weitergehen. Die Universität kann ihren gesellschaftlichen Gebrauchswert und humanistischen, auch ästhetischen, Sinn erkennen, stärken und als leitende Orientierung entwickeln und durchsetzen. Lernen ist – erst recht in der Krise – eine gesellschaftliche Aufgabe und Möglichkeit. Kritik ist wirksam.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia & Arne Schmüser, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg
und FachschaftsBündnis - Aktive für demokratische und kritische Hochschulen,
Veröffentlicht am , http://www.bae-hamburg.de/